In einem gesättigten Markt für Konsumgüter erscheinen nicht-prototypische oder „chaotische“ Verpackungen wie eine einfache Lösung zur Aufmerksamkeitserregung: „Sie bieten gute Geschichten für Designerinnen und Designer, Marken und die Medien. Es macht Spaß, über Sonnenschutz in einer Schlagsahnedose oder ein Getränk in einer Waschmittelflasche zu sprechen“, sagt Fernando Arendar.
Allerdings können atypische Verpackungen genauso Verwirrung stiften, Vertrauen reduzieren oder Sicherheitsbedenken auslösen: „Verbindet das Gehirn die Verpackungsstruktur mit dem falschen Verwendungskontext, kann das Produkt instinktiv riskant oder unangemessen wirken.“ Gleiches untermauert die jüngste Studie zu unkonventionellem Verpackungsdesign „Nonprototypical packaging and strategic implications: When structural design disrupts or delivers“*, an der Arendar mitgewirkt hat: Größere Sichtbarkeit allein garantiert keine stärkere Verbraucherreaktion. Wird ein Lebensmittel in einer Struktur platziert, die mit Reinigungsmitteln, Kraftstoff oder Medikamenten assoziiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die wahrgenommene Qualität, Vertrauen und Angemessenheit reduziert werden.
Wenn die neue Struktur jedoch noch mit einem vertrauten Konsumkontext in Verbindung steht oder Komfort, Portabilität, Lagerung oder Verwendung verbessert, kann nichtprototypisches Verpackungsdesign überzeugen. Der Schlüssel liegt nicht in der Disruption an sich. Der Schlüssel liegt im Gleichgewicht zwischen Neuheit und Kohärenz. Die Verpackung darf überraschend sein, muss jedoch verständlich, glaubwürdig und für das Produkt angemessen wirken.