Wachstum, Wandel, Wettbewerb: Die Verpackungsindustrie in Afrika
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„Die Wachstumspotenziale in Afrika sind enorm“: Daniel Dellemann vom VDMA. Bild: VDMA
Wachstum, Wandel, Wettbewerb: Die Verpackungsindustrie in Afrika
Lesezeit: 3 Minuten
Afrikas Verpackungsmärkte wachsen dynamisch, sind aber so vielfältig wie der Kontinent selbst. Daniel Dellemann, Projektmanager für Marktanalysen und Internationale Märkte beim VDMA, ordnet aktuelle Entwicklungen ein, spricht über Trends rund um Nachhaltigkeit und Digitalisierung – und erklärt, wo internationale Unternehmen echte Chancen haben und was es für einen erfolgreichen Markteintritt braucht.
Wie würden Sie die aktuelle Entwicklung der Verpackungsindustrie in Afrika beschreiben?
Die Verpackungsindustrie in Afrika wächst weiterhin dynamisch. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Exporte von Verpackungsmaschinen in die Region auf rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 gestiegen, und basierend auf europäischen Exportzahlen erwarten wir auch für 2025 weiteres Wachstum.
Dabei handelt es sich jedoch um 54 heterogene Märkte. Staaten mit einer industriellen Basis haben besonders hohen Bedarf an moderner Verpackungstechnik. Algerien hat 2024 Südafrika als größtes Importland abgelöst und Maschinen im Wert von 225 Millionen Euro eingeführt. Südafrika ist zwar aufgrund verschiedener Krisen zurückgefallen, die Nachfrage bleibt aber hoch. Große Volkswirtschaften mit schnell wachsender Bevölkerung, etwa Ägypten und Nigeria, treiben den Bedarf zusätzlich. Marokkokomplettiert die Top 5 der größten Importeure. Insgesamt dominieren nordafrikanische Länder das Ranking: Auch Tunesien und Libyen rangieren weit oben.
Aus deutscher Sicht haben sich vor allem Algerien und Tansania in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Generell sind die Märkte, insbesondere in Subsahara-Afrika, jedoch volatil: In Phasen wirtschaftlicher und politischer Stabilität wächst die Nachfrage schnell, kann aber ebenso rasch wieder zurückgehen.
Welche Trends prägen derzeit die Branche, insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung?
Digitalisierung ist ein globales Thema und erreicht auch die afrikanischen Märkte. Viele Unternehmen arbeiten jedoch noch semi-automatisiert. Arbeitskräfte sind verfügbar und vergleichsweise günstig, während es häufig an gut ausgebildeten Fachkräften fehlt. Deshalb ist der Bedarf an robusten, einfach zu bedienenden Maschinen groß. Gleichzeitig gibt es Produzenten, die bewusst auf hochmoderne Technologien setzen möchten. Deshalb gilt: Jeder Markt und jeder Kunde ist anders, keine vorschnellen Annahmen treffen.
Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Die größte Herausforderung bleibt die vielerorts unzureichende Recycling-Infrastruktur, wodurch Verpackungsabfälle oft nicht ordnungsgemäß erfasst werden. Gleichzeitig wächst in vielen Ländern eine Mittelschicht, die mehr Wert auf Qualität und nachhaltige Lösungen legt, und exportorientierte Unternehmen müssen internationale Anforderungen erfüllen. Man muss aber sagen, dass in der Praxis meistens weiterhin Rohstoffverfügbarkeit und Kosten im Vordergrund stehen.
Hinzu kommen marktindividuelle Entwicklungen. In Nigeria etwa sind durch hohe Inflation die Packungsgrößen in den vergangenen Jahren kleiner geworden: Viele Konsumenten kaufen nur das Nötigste für den Tag. Große Packungen sind teurer und richten sich eher an die Mittel- und Oberschicht. Solche Veränderungen beeinflussen Trends und Gestaltung der Verpackungen maßgeblich.
Wo sehen Sie die größten Chancen für internationale Unternehmen, die in den afrikanischen Markt einsteigen möchten?
Die Wachstumspotenziale in Afrika sind enorm. Laut Euromonitor wird der Absatz verpackter Lebensmittel in Subsahara-Afrika bis 2030 um mehr als 20 Prozent steigen. Davon profitiert die Verpackungsindustrie direkt. Die Chancen für internationale Unternehmen sind entsprechend vielfältig.
Entscheidend sind jedoch ein langer Atem und verlässliche lokale Partnerschaften. Ohne einen starken Partner vor Ort ist ein erfolgreicher Markteintritt kaum möglich, denn viele Märkte sind dynamisch, komplex und erfordern kontinuierliche Präsenz.
Geschäftsbeziehungen basieren häufig stark auf Vertrauen. Kooperationen, etwa durch Schulungen, technischen Support oder gemeinsame Entwicklungsprojekte, sind daher essenziell. Genau hier können sich deutsche Unternehmen besonders gut differenzieren: durch Know-how, Servicequalität und langfristige Zusammenarbeit.