Dr. Akram Masri, Chef der Saudi Print & Pack in Riad. Bild: Riyadh Exhibitions Company Ltd.
Saudi-Arabiens Verpackungsmarkt im Aufbruch
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Im April richtet sich der Blick der Verpackungsbranche zunächst nach Saudi-Arabien, bevor wenige Wochen später mit der interpack in Düsseldorf die weltweit führende Leitmesse der Branche startet. Vom 12. bis 15. April 2026 findet in Riad die Saudi Print & Pack powered by interpack and drupa statt – erstmals als Teil der interpack alliance, mit direktem Zugang zur größten Volkswirtschaft des Nahen Ostens. Unter Beteiligung der Weltleitmessen K, interpack und drupa wird die Saudi Print & Pack parallel zur Saudi Plastics & Petrochem im Riyadh International Convention & Exhibition Center ausgerichtet. Für einen Blick hinter die Kulissen der Branche haben wir mit Dr. Akram Masri, COO des Veranstalters Riyadh Exhibitions Company, gesprochen.
Der Verpackungsmarkt in Saudi-Arabien wächst rasant. Welche wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Faktoren treiben dieses Wachstum Ihrer Ansicht nach am stärksten?
Das starke Wachstum hängt mit drei zentralen Entwicklungen zusammen: der wirtschaftlichen Diversifizierung des Landes, dem Schub der digitalen Transformation und einem spürbar veränderten Konsumverhalten.
Durch „Vision 2030“ hat Saudi-Arabien die Wirtschaft deutlich breiter aufgestellt und investiert massiv in Industrieproduktion, Logistik, Lebensmittelverarbeitung, Pharma und E‑Commerce.
Auf technologischer Ebene verändern Automatisierung, smarte Produktionsprozesse und digital vernetzte Lieferketten die Branche tiefgreifend. Unternehmen setzen zunehmend auf intelligente Verpackungen, Track-and-Trace-Lösungen und KI-gestützte Qualitätskontrollen, um effizienter zu produzieren und Abfälle zu reduzieren.
Hinzu kommt die gesellschaftliche Komponente: Eine junge, urbane Bevölkerung mit wachsender Kaufkraft konsumiert mehr verpackte Waren. Der Boom im Onlinehandel und bei Lieferdiensten sowie der Wunsch nach mehr Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit sorgen zusätzlich für steigende Nachfrage.
Der saudische Markt wird besonders von den Bereichen Lebensmittel, Getränke, Pharma und Einzelhandel geprägt. Welche dieser Branchen treiben Verpackungsinnovationen aktuell am stärksten – und weshalb?
Der stärkste Innovationsmotor ist derzeit ganz klar der Lebensmittel- und Getränkesektor, der auf rund 30 Milliarden USD anwächst. Dahinter stehen mehrere Trends: der Fokus des Königreichs auf Ernährungssicherheit, der Boom von Convenience-Produkten und der enorme Zuwachs an Schnellrestaurants und Lieferdiensten. All das steigert den Bedarf an Verpackungen, die Qualität sichern und die Haltbarkeit verlängern. Lösungen wie Vakuumverpackungen oder MAP-Systeme (Modified Atmosphere Packaging) gewinnen deshalb deutlich an Bedeutung.
Auch die Pharmaindustrie spielt eine wichtige Rolle. Ihr Verpackungssegment dürfte bald die Marke von 1 Milliarde USD erreichen. Gefragt sind hier vor allem sichere, regelkonforme Lösungen wie Hochbarrierefolien, Alu-Alu-Laminate und Blisterverpackungen. Das Wachstum der Gesundheitsbranche sorgt dafür, dass innovative Verpackungssysteme extrem gefragt sind.
Und natürlich treibt auch der E‑Commerce die Entwicklung an: Der Onlinehandel dürfte bald ein Volumen von 13 Milliarden USD erreichen. Das erhöht die Nachfrage nach leichten, robusten und schützenden Verpackungen – besonders nach Wellpappe und flexiblen Beuteln. Je mehr Verbraucher online bestellen, desto wichtiger werden effiziente und sichere Versandverpackungen.
Der Staat fördert grüne Verpackungstechnologien zunehmend. Welche Investitionen muss die Branche tätigen, um diese Vorgaben zu erfüllen?
Um die staatlichen Vorgaben zu erfüllen, müssen Unternehmen sowohl technologisch als auch organisatorisch aufrüsten. Technologisch bedeutet das: modernere Maschinen, der Einsatz nachhaltiger Materialien, energieeffiziente Produktionsanlagen und Verpackungsdesigns, die Emissionen reduzieren.
Organisatorisch braucht es klare Nachhaltigkeitsstrategien, entsprechende Schulungen für Mitarbeitende sowie belastbare Strukturen für Compliance und Berichterstattung. Auch lokale Partnerschaften sind wichtig, um nachhaltige Lieferketten aufzubauen.
Für internationale Unternehmen ist das besonders spannend: Wer sich in Saudi-Arabien engagiert und nachhaltige Technologien mitbringt, kann vom Standard Incentives Program für industrielle Nachhaltigkeit profitieren – ein Förderbudget von insgesamt 2,66 Milliarden USD.
Welche nachhaltigen Lösungen prägen den Markt derzeit – und wo bestehen noch Herausforderungen beim Recycling und im Aufbau einer Kreislaufwirtschaft?
Der Trend geht in Richtung nachhaltiger Verpackungen. Besonders in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind recycelbare und lebensmittelechte Verpackungen inzwischen Pflicht. Das treibt die Nachfrage nach Monomaterialien und nach Produkten mit recyceltem Inhalt. Der Bedarf nach umweltfreundlichen Materialien wird auf rund 1,5 Millionen Tonnen geschätzt – ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Staatliche Nachhaltigkeitsprogramme, die Recycling forcieren und Plastikabfall reduzieren sollen, unterstützen diese Entwicklung.
Dennoch steht die Branche vor großen Herausforderungen. Die Rohstoffpreise sind im vergangenen Jahr um etwa 15 Prozent gestiegen – verursacht durch globale Lieferkettenprobleme und stark schwankende Ölpreise. Das macht es für Hersteller schwer, wirtschaftlich zu bleiben, ohne bei der Qualität nachzulassen. Zugleich führen strengere Umweltauflagen zu höheren Kosten: Unternehmen müssen rund 10 Prozent zusätzlich investieren, um nachhaltige Materialien und Prozesse einzuführen.
Für viele kleine und mittelständische Hersteller ist dieser doppelte Druck enorm – und kann ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.