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Fälschungssicherheit gegen Marken- und Produktpiraterie

Fälschungssicherheit gegen Marken- und Produktpiraterie

Foto: Schreiner ProSecure

Nicht nur Polizei und Zoll gehen gegen Fälscher vor – auch immer mehr Unternehmen kämpfen gegen Raubkopierer und Plagiatoren. Besonders die Arzneimittelindustrie wehrt sich, denn dort hat die Piraterie in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Zehn Millionen gefälschte Tabletten und 14 Millionen Ampullen hat das Zollkriminalamt allein im Jahr 2010 sichergestellt. Neue Codes, Hologramme und viele weitere Sicherheitsmerkmale sollen die Produkte in Zukunft für die Fälscher unattraktiv und sowohl für Experten als auch für Laien auf Echtheit überprüfbar machen.

Wenn Patienten gefälschte Medikamente kaufen, in denen zu geringe oder die falschen pharmazeutischen Wirkstoffe enthalten sind, begeben sie sich oft in Gefahr. Betroffen sind nämlich nicht nur Lifestyle-Präparate wie Appetitzügler oder die Potenzpille Viagra, sondern auch Krebsmedikamente und HIV-Mittel. Besonders viele falsche Medikamente werden im Internet verkauft – mehr als die Hälfte der online vertriebenen Medikamente sind laut der Welthandelsorganisation WHO Plagiate. „Vor allem in Ländern wie Deutschland, in denen der Online-Verkauf und Versand von Medikamenten erlaubt und beliebt ist, ist dies ein lukratives Geschäft”, weiß Harald G. Schweim, Professor für „Drug Regulatory Affairs” an der Universität Bonn.

Arzneimittelhersteller, Pharmagroßhändler und Apotheker gründeten als Antwort darauf im vergangenen Jahr das Sicherheitssystem securPharm. In einem Pilotversuch statten Hersteller nun die Packungen ausgewählter rezeptpflichtiger Arzneimittel mit einem DataMatrix-Code aus, wie er etwa auch auf Bahntickets gängig ist. Jede Verpackung erhält eine Seriennummer und wird dadurch zum Unikat. Die Apotheken scannen den Code ein und gleichen ihn mit einer Datenbank ab, ehe sie die Packung an die Kunden geben. „Ein Medikament wird also zweimal erfasst: beim Eintritt in und beim Austritt aus der Vertriebskette”, erklärt securPharm-Geschäftsführer Reinhard Hoferichter. Solch eine End-to-End-Kontrolle schrecke Fälscher zuverlässig ab.

Der pflanzliche Arzneimittelhersteller Bionorica hat bereits ein eigenes Qualitätssiegel realisiert. Jede Packung ist auf der Rückseite mit einer dreidimensionalen, optisch variablen Prägung versehen. Beim Draufschauen erscheint im Kreis das Bionorica-Logo, das auch erfühlt werden kann. Wird die Packung gekippt, verwandelt sich das Siegel in vier Erlenmeyerkolben. Entwickelt wurde das Sicherheitselement von Giesecke & Devrient, die auch Euro-Banknoten herstellen.

Doch Sicherheitslösungen sind nicht nur für Arzneimittel gefragt. So setzt der weltweit tätige Prüfdienstleister TÜV Rheinland bereits für diverse Produkte auf einen zufällig generierten Bestätigungscode. Mit dem Authentifizierungs- und Kontrollsystem (PACS) können die Verpackungen von der Fabrikhalle über die Transport- und Vertriebskanäle bis hin zum Kunden identifiziert und verfolgt werden. Der nicht entschlüsselbare alphanumerische Algorithmus wird durch Aufdruck oder eine Gravur individuell platziert. So kann auch der Endnutzer per SMS oder das Einscannen von QR-Codes prüfen, ob er Originalware vor sich hat.

 
 
Foto: Informationsstelle für Arzneispezialitäten (IFA)

Um den Produkt- und Markenschutz auszubauen, setzt der TÜV Rheinland zukünftig auf Hologramme. Spezialisten wie die Hologram Company RAKO GmbH oder Stielow Label & Logistik GmbH bieten individuelle Motive an, in denen Unternehmen beispielsweise ihr Logo verarbeiten können und so einen hohen Wiedererkennungswert schaffen. Die Hologramme können auf alle gängigen Materialien wie Folie oder Papier gedruckt werden und zerstören sich bei Ablösung selbst. Möglich sind sogar Bilder, die belebt wirken, also ein mit den Flügeln schlagender Vogel oder ein sich drehender Globus.

Zu den sichtbaren können verborgene Elemente in den Hologrammen hinzukommen, wie etwa erst ab 50-facher Vergrößerung lesbare Mikrotexte oder sogar Nanotexte. Schreiner ProSecure setzt ganz auf Nanotechnologien, also Strukturen in einer Größenordnung von einem Millionstel Millimeter. Dazu zählt Interferenzlithografie, bei der der gewünschte Text in das Hologramm eingefügt wird und nur mit einem Vergrößerungsglas oder Mikroskop gelesen werden kann. Auch bringen sie hauchdünne, irisierende Oberflächen auf. Dort bricht sich wie auf den Flügeln mancher Schmetterlinge das Licht, sodass es in Spektralfarben aufgeteilt zurückgestreut wird und Kippfarbeneffekte entstehen.

Eine weitere Sicherheitsmerkmal auf Nanotechnologiebasis sind lumineszierende Nanopartikel. Druckfarbe oder Drucklack werden dabei Farbpigmente beigemischt, die erst bei der Kontrolle mit einem UV- oder Infrarotgerät emittiert und damit sichtbar werden. Solche verborgenen Sicherheitsmerkmale eignen sich vor allem für Verpackungen, bei denen Gestaltungsvorschriften einzuhalten sind oder eine Veränderung eine neue Zulassung benötigen würde. „Höchste Zuverlässigkeit und leichte Handhabbarkeit sind kein Widerspruch mehr”, weiß ProSecure-Marketingleiter Thomas Völcker.

Bei einem Unternehmen wie Colordruck Beiersbronn reicht die Sicherheitspalette mittlerweile von UV-Sicherheitslack und fluoreszierenden Sicherheitsfarben über Hidden Images - bei denen die Pixel so manipuliert werden, dass die Informationen nicht von einem Auge, wohl aber von einem optischen Endkodierer erkannt werden können – bis hin zu thermochromen Pigmenten. Bei diesen Farben wirkt die Fläche beim Erreichen einer bestimmte Temperatur farblos – das ist vor allem bei temperatursensiblen Produkten hilfreich.

Doch nicht nur die Entwicklung immer neuer Techniken wird angestrebt, sondern auch die breitere Verwendbarkeit von bekannten Sicherheitsmerkmalen wird unterstützt. So erforscht das FIR an der RWTH Aachen momentan den Einsatz der RFID (Radiofrequenzidentifikation) auf Konsumgüterverpackungen. Zwar kommen RFID-Chips bereits bei Paletten zum Einsatz, doch sollen sie bald entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt und jede Verpackung dadurch erfasst werden.

 
 

 

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Foto: Schreiner ProSecure

Foto: obs/Bionorica AG

 
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