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Einweg- und Mehrwegverpackungen: Pfand, Markt und Innovationen

Einweg- und Mehrwegverpackungen: Pfand, Markt und Innovationen

(Foto: Gerolsteiner Brunnen GmbH&Co KG )

Wasser, Bier, Saft, Cola und andere Getränke werden in Deutschland in diversen Verpackungssystemen verkauft: Mehrwegflaschen aus Glas oder Kunststoff, Getränkekartons, Einwegverpackungen mit Pfand oder Einwegverpackungen mit dem Grünen Punkt. Besonders stark im Kommen sind PET-Einwegflaschen – auf Kosten der Mehrwegsysteme. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sank der Anteil an Mehrwegflaschen zuletzt auf nur noch 49,2 Prozent. Einweg-Kunststoffflaschen waren 2009 mit 46,3 Prozent die am häufigsten eingesetzte Verpackung.

Mehrweg-Glasflaschen (34,2 Prozent) und Mehrweg-Kunststoffflaschen (15,0) verloren über die Jahre an Zustimmung, auch Getränkekartons (2,4), Getränkedosen (1,3) und Einweg-Glasflaschen waren weniger gefragt. „Wer im Supermarkt oder Getränkehandel ins Regal greift, entscheidet sich nicht nur für ein bestimmtes Getränk, sondern gleichzeitig immer auch für dessen Verpackung”, weiß Michael Brandl, Geschäftsführer des FKN Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V.

Außerdem entschließt sich der Verbraucher auch immer für oder gegen Pfand: Seit Mai 2006 gibt es in Deutschland ein einheitliches Pfandsystem. Händler müssen seitdem auch Getränkeverpackungen annehmen, die nicht bei ihnen gekauft wurden, wenn sie das jeweilige Verpackungsmaterial im Sortiment haben. Getränkekartons, Standbodenbeutel und Schlauchbeutel gelten als ökologisch vorteilhaft und sind daher vom Pfand befreit. Manche Getränke sind unabhängig von der Verpackung pfandfrei, etwa Milch, Frucht- und Gemüsesäfte, Diätgetränke, Wein und Spirituosen.

Das traditionelle Mehrwegpfand wird von den Händlern selbst erhoben, es ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Bierflaschen (0,33l oder 0,5l) sind mit 8 Cent bepfandet, Bierflaschen mit Bügelverschluss mit 15 Cent. Es gibt auch Mehrwegflaschen für Mineralwasser, Limonade, Joghurt, Milch, Sahne oder Fruchtsäfte, die aus Glas oder härterem Plastik bestehen (alle 15 Cent). Einige, aber nicht alle Flaschen tragen das runde Mehrweg-Logo. Auch auf den Flaschen ohne das Zeichen steht ein Hinweis "Mehrweg" oder "Mehrwegflasche". Sie werden mehrfach wiederbefüllt: PET-Flaschen etwa 15 Mal, Glasflaschen rund 50 Mal. Manche tragen auch den Blauen Engel für Mehrweg.

Das Einwegpfand gilt seit dem 1. Januar 2003 für Bier, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure. Die Pfandflaschen sind am DPG-Logo (Deutsche Pfandsystem GmbH) erkennbar und werden mit 25 Cent bepfandet. Sie bestehen zumeist aus PET und werden nach dem Einsammeln geschreddert. Das PET wird recycelt und ein Teil davon zur Herstellung neuer Flaschen verwendet. Es gibt ein weiteres Logo, den Pet-Cycle. Er steht für einen Mix aus Ein- und Mehrweg. Während der Kasten wiederverwendet wird, werden die PET-Flaschen nach der Rückgabe zerkleinert.

 
 
(Foto: Gerolsteiner Brunnen GmbH&Co KG )

Die Verbände des Getränkefachgroßhandels, des Getränke-Einzelhandels und der Privatbrauereien sowie die Stiftung Initiative Mehrweg und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderten Anfang 2011 eine eindeutige Kennzeichnungspflicht, um Verwechslungen zwischen Einweg- und Mehrwegflaschen auszuschließen. Viele Konsumenten gehen nach einer Studie des Umweltbundesamtes nämlich davon aus, die PET-Einwegflaschen würden wie Mehrwegflaschen wieder befüllt. „Die Verbraucher irritiert das undurchsichtige Pfandsystem, aber es fehlt am politischen Willen, daran etwas zu ändern und das Mehrwegsystem zu retten”, kritisiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Der Rückgang des Mehrweg wird von der Branche auch durch das Angebot der Discounter erklärt. Seit 2004 wird Mineralwasser – das größte Getränkesegment, gefolgt von Erfrischungsgetränken und Bier – in Supermärkten zu extrem niedrigen Preisen angeboten. Die Mehrweggebinde werden vor allem bei Wasser mit CO2 immer häufiger durch Einweg ersetzt. Die mittelständisch geprägte Mehrwegbranche sieht deshalb ihre 170 000 Arbeitsplätze bedroht. Wegen ihrer regionalen Verwurzelung seien die Mehrwegsysteme eine Lebensversicherung für mehr als 1300 regionale Brauereien, Saftkeltereien und Mineralbrunnen, betont Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbandes Privater Brauereien Deutschlands. Weil Mehrwegflaschen nicht nur zurückgenommen, sondern auch geprüft und gereinigt werden, sind sie um ein Vielfaches personalintensiver als Einwegflaschen.

Durch die Absatzsteigerungen im PET-Einwegbereich wurden hingegen große, verbrauchs- und vor allem auch kosteneffiziente Linien aufgebaut. Neben dem Einsatz neuer Maschinen mit hohen Nennleistungen führen auch Innovationen im Bereich der Maschinenanordnung zu geringeren Verbrauchswerten im Bereich der Abfüllung. – z.B. durch eine verblockte Aufstellung der eigentlichen Abfüllanlagen mit den Streckblasmaschinen und dem damit verbundenen Wegfall des Flaschentransportes. Dies zeigt eine Studie der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen sowie des Forum PET.

Zu den stetigen Optimierungen entlang der Prozesskette der PET-Einwegflaschen gehört auch eine geringere Distributionsdistanz. Außerdem hat sich das Gewicht der Flaschen deutlich verringert. Allein zwischen 2008 und 2010 wurde das Flaschengewicht der 1,5-Liter-Flasche um 14 Prozent reduziert. Zudem wird nun rezykliertes PET im Flaschenkörper verwendet, wodurch Primärmaterial eingespart werden kann. Durch Prozessoptimierungen entlang der Wertschöpfungskette gelang zwischen 2008 und 2010 eine deutliche Energieeinsparung in der Preform-Herstellung, beim Streckblas- sowie beim Abfüllprozess.

Innovationen gibt es auch bei den Glasflaschen. Der Mehrweg-Innovationspreis wurde 2011 unter anderem für eine Abfüllanlage vergeben, deren Flaschenreinigungsmaschine nur noch ein Viertel des Wassers einer alten Anlage benötigt. Die neuen Antriebe der Flaschen- und Kastentransportbänder senken außerdem den Energieverbrauch um 20 Prozent. Ausgezeichnet wurde daneben die Einführung einer neuen 1-Liter-Glas-Mehrwegflasche, wodurch deutlich mehr Wasser mit weniger Material verpackt wird. Ebenfalls prämiert wurde eine Mehrweg-Leichtglasflasche (330g) für Mineralwasser. Sie vermindert den Materialeinsatz bei der Flaschenproduktion um mehr als 47 Prozent und verringert zusätzlich den Energieverbrauch bei Herstellung und Transport.

- www.mehrweg.org
- www.ernaehrungsportal-bw.de
- www.bundesregierung.de

 

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Bild: mehrweg.org

 
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