Sie befinden sich hier: interpack Magazin. Nachhaltig verpacken.
LEH verliert 310.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr
Artikel
LEH verliert 310.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr
14.10.2011
In den Filialen des Lebensmitteleinzelhandels gehen durch Beschädigung, Verderb oder ablaufende Verfalls- und Mindesthaltbarkeitsdaten durchschnittlich 1,1 % aller bezogenen Lebensmittel für den Verbrauch verloren. Insgesamt entspricht dies einem Warenwert von knapp 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Durchschnittlich wirft jede Verkaufstelle pro Verkaufstag rund 25 kg Nahrungsmittel in den Abfall, die dann überwiegend nur noch in Biogasanlagen verwertet werden können.
Das EHI hat in seiner Analyse die insgesamt vom LEH erfassten Verluste aus Abschriften durch Bruch und Verderb berücksichtigt sowie auch nicht erfasste Abschriften aus anteiligen Inventurdifferenzen hinzugerechnet und außerdem die Lebensmittelretouren an Lieferanten, insbesondere bei SB-Brot, mit eingerechnet. Abgezogen wurden Lebensmittel, die an Tafeln oder andere karitative Organisationen kostenfrei abgegeben werden. Der Anteil der insgesamt unverkäuflichen Lebensmittel – und damit auch der Schaden für den LEH – liegt somit noch um einiges höher.
Die 2011 veröffentlichte und weithin anerkannte Cofreso-Studie „Das Wegwerfen von Lebensmitteln – Einstellungen und Verhaltensmuster“ zeigt unter anderem, dass jeder Verbraucher pro Jahr 80 kg Lebensmittel im Warenwert von 310 Euro wegwirft.
Die EHI-Studienergebnisse belegen nun, dass im bundesdeutschen Lebensmitteleinzelhandel pro Verbraucher und Jahr weniger als 4 kg Lebensmittel im Warenwert von knapp 15 Euro vernichtet werden müssen. Somit gehen im LEH jährlich maximal 310.000 Tonnen Nahrungsmittel verloren. Jeder der rund 41.000 Lebensmitteleinzelhandelsbetriebe vernichtet demnach durchschnittlich pro Verkaufstag 25 kg Nahrungsmittel - also weniger als das, was 100 Verbraucher im gleichen Zeitraum wegwerfen. Bedenkt man ferner, dass jeder Lebensmittelhändler durchschnittlich 2.000 Verbraucher versorgt, so wird klar, dass an diesen Distributionspunkten auch ein erhöhtes Abfallaufkommen unvermeidbar ist.
Den EHI-Berechnungen liegen die originär erhobenen Angaben von 10 führenden Lebensmittelfilial-Unternehmen mit einem gesamten Bruttoumsatz von 47,4 Mrd. Euro bzw. rund 35,5 Mrd. reinem Lebensmittelumsatz zu Grunde. Die Hochrechnungen beziehen sich auf einen relevanten Umsatz von 108 Milliarden Euro an Lebensmitteln im klassischen Sinne, also alles, was für Menschen ess- und trinkbar ist. Herausgerechnet wurden dabei Warengruppen wie Tabakwaren, Zeitschriften, Tiernahrung, Drogeriewaren etc., die sonst üblicherweise in Lebensmittelumsätze einbezogen werden. Ferner berücksichtigen die Berechnungen die Marktanteile von Lebensmittelvollsortimentern und Discountern, ebenso wie die Umsatzanteile der unterschiedlichen Warengruppen.
Vermeidungsstrategien
Der LEH optimiert ständig seine Dispositionssysteme, um Warenverluste zu vermeiden. Kürzere Dispositionsrhythmen, kleinere Bestelleinheiten und Sicherheitsbestände sowie regionale Beschaffungssysteme durch Verkürzung von Lieferwegen sind Kernpunkte. Und natürlich ergreift die Branche auch im Tagesgeschäft vielfältige Maßnahmen, um den Verderb von Nahrungsmitteln zu verhindern. Durch regelmäßige Kontrolle von Mindesthaltbarkeitsdaten und der Produktqualität in den Frischebereichen können frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden, um leicht verderbliche Produkte noch rechtzeitig zu verkaufen. Sonderaktionen oder Preisreduzierungen gehören zur täglichen Praxis und werden vom Konsumenten gerne angenommen. Handelsunternehmen, die weitgehend auf frühzeitige Preisreduzierungen verzichten, arbeiten besonders eng mit karitativen Organisationen zusammen.
Zusammenarbeit mit Tafel-Organisationen
Der Lebensmitteleinzelhandel arbeitet schon seit Jahren mit den Tafeln zusammen, um verzehrfähige, aber nicht mehr verkaufsfähige Lebensmittel nicht vernichten zu müssen. 80 bis 90 % aller Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte kooperieren schon mit derartigen Organisationen. Grundsätzlich werden von den Händlern nur Nahrungsmittel abgegeben, die bei der Übergabe noch uneingeschränkt genießbar sind. Nach Aussagen der Unternehmen hat sich auch die Qualität der gespendeten Lebensmittel hinsichtlich der Produktbeschaffenheit und der Dauer der Restverwertbarkeit gegenüber früheren Jahren deutlich verbessert.
Öffentliche Diskussion über Lebensmittelverschwendung
Das EHI hat sich mit dieser Untersuchung die Aufgabe gestellt, die unverkäuflichen Anteile (Verluste aus Bruch und Verderb) von Nahrungsmitteln im deutschen Lebensmitteleinzelhandel insgesamt und differenziert nach ausgewählten Warengruppen zu ermitteln, um der öffentlichen Diskussion über „Verschwendung und Vernichtung und neuer Wertschätzung von Lebensmitteln“ durch konkretes und zuverlässiges Datenmaterial aus dem Einzelhandel Impulse zu geben.
Der Film „Taste the Waste“ plakatierte ursprünglich, dass in Deutschland jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel über alle Produktionsstufen hinweg vernichtet werden – ein Wert der immer wieder von den Medien aufgegriffen wird. Die Cofresco-Studie erklärt, dass 6,6 Mio. Tonnen beim Endverbraucher vernichtet werden, und das EHI berechnet 0,31 Mio. Tonnen für den Einzelhandel. Offen bleibt, ob andere Branchen bzw. Produktionsstufen wie Gastronomie und Großverbraucher, Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelproduktion und Agrarproduktion wirklich die dann noch verbleibenden 13 Mio. Tonnen Nahrungsmittel vernichten, oder ob es in Wirklichkeit nicht wesentlich weniger sind, wie etwa die EU-Studie „Preparatory Study on Food Waste across EU 27“ mit 10,9 Mio. Tonnen projiziert. Von einer vom zuständigen Bundesministerium in Auftrag gegebenen Studie wird in Kürze weitere Aufklärung erwartet.
Nahrungsmittelverluste im Lebensmitteleinzelhandel (pdf)
Quelle: EHI Retail Institute
www.ehi.org/presse
Nahrungsmittelverluste im Lebensmitteleinzelhandel (pdf)
( Quelle: EHI Retail Institut )
Mehr Informationen
Alle Artikel aus Nachhaltig verpacken
MULTIVAC präsentiert neues Maschinen-konzept Veranstaltung „Schad dröm“ mit Filmvorführung "Taste the Waste" Neue Rezepte, Nachhaltigkeit und viel Emotion auf dem Deutschen Verpackungskongress Sprungbrett zwischen Print- und Online-Welt Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung Neue Studie zu Bierverpackungen: erstmals empirische Daten zu Transportentfernungen MULTIVAC zeigt Ausstellung zum Thema weltweite Nahrungsmittelverluste Labeling Green: Phenolfreie Etiketten für sorgenfreies Verkaufen Goldmedaille für HPP-Technologie 3M Marke Scotch jetzt noch umweltschonender Die Faltschachtel in einer neuen Dimension Kunststoffrecycling-Anlage in Abu Dhabi eröffnet Innovation in Technologie und Verpackungskonzepten Kooperation im Sinne der Nachhaltigkeit Dresdner Verpackungstagung startet Verbraucherdialog Recyclingquote bei Getränkedosen soll europaweit auf 75 Prozent steigen "Save Food" öffnet sich für Unternehmen Wie Kunststoffverpackungen die Umwelt schützen Herausforderungen der Zukunft - Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit LEH verliert 310.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr Fehler im Karton Neues Paletten-Konzept von der Faber Halbertsma Gruppe Eine Norm für alle Standorte von SCA Packaging Deutschland mit FSC-Zertifizierung In Europa werden rund zwei Drittel aller Aluminium-Getränkedosen recycelt Recycling von 800.000 Tonnen Kunststoffverpackungen Hochwertige Produkte aus Elastomerpulvern Film "Taste the Waste" dokumentiert globale Verschwendung von Lebensmitteln Neues natürliches Konservierungsmittel entdeckt Ethical Coffee fordert Nespresso auch in Deutschland heraus In Europa werden rund zwei Drittel aller Aluminium-Getränkedosen recycelt Neue Verschlussreihe ermöglicht Material- und Kosteneinsparung In Europa werden rund zwei Drittel aller Aluminium-Getränkedosen recycelt Gefährliche Güter sicher befördern Pepsi mit EcoGreen-Flasche Hochtransparente Folienetiketten Massiver Ansturm auf www.lebensmittelklarheit.de Absatzniveau stabil: Behälterglas liegt weiter im Trend BERICAP ergänzt erfolgreiche DIN-Verschluss-Reihe Heidelberg mit neuem umfangreichen Paket für den alkoholfreien Druck EHEC: BfR, BVL und RKI konkretisieren Verzehrsempfehlung Verpackungsprozesse und Lebensmittelhygiene – EHEC und die Folgen Blick zurück auf die Interpack: Werte und Innovationen Sportliche Nachhaltigkeitskonzepte Holz: Rohstoff mit guter (Öko-)Bilanz „LOHASians“ verändern die Märkte Asiens Auffallen – um jeden Preis Ketchup in der Cola-Flasche Der Carbon Footprint von Tragetaschen aus Papier und Kunststoff Großbritannien erhöht Recycling-Ziele USA: „Grüne“ Verpackungen stark nachgefragt Unilever mit nachhaltigen Papierverpackungen Bionade setzt auf Recycling-Etiketten Ist Kunststoff nachhaltig? Nachhaltigkeitsstrategien: Die Basis für Erfolg? Coca-Cola: weltweit regional produziert und verpackt Nachhaltige Promotion am PoS PETCYCLE: Ökologisches Verpackungssystem Kork: Alternativen sind nicht mehr tabu Papierhandtücher: Funktional und nachhaltig verpackt Umweltkennzeichnungen: Fluch oder Segen? Der Green Deal Openhagen Frisch, haltbar, nachhaltig und bezahlbar Nachhaltigkeit ist ein Imperativ Natürlich grün Erfindungen, die die Welt braucht A star(ch) is born Glasklarer Liebling Mit Obama wächst die Hoffnung... Kunststoff. Eine Erfolgsstory. Kritisch und kaufstark: LOHAS bewegen die Märkte Maßeinheit für Umweltschutz? Der Getränkekarton: effizient und nachhaltig Verpackungen und Verschlüsse aus Weißblech
Zurück zu allen aus Nachhaltig verpacken
Dieser Artikel gehört außerdem zu










