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Energiesparende Verpackungen – zur Nachhaltigkeit in der Industrie
Themen des Monats
Energiesparende Verpackungen – zur Nachhaltigkeit in der Industrie
Neben Klassikern der nachhaltigen Lebensmittelverpackung wie Papier und Verbundkarton gibt es inzwischen auch Biokunststoffe, die vollständig biologisch abbaubar sind. Zu den Herstellern gehört beispielsweise die FKuR Kunststoff GmbH aus Willich. Ihre Biokunststoffe finden als durchsichtige Folie zum Einpacken von Blumen, für die Verpackung von Tiefkühlgemüse, als Creme-Dosen oder Obstnetze Verwendung. Von FKuR stammt des Weiteren die erste biologisch abbaubare Bio-Computer-Tastatur und Zahnpastatube. „Diese Entwicklung zeigt nicht nur die Vielfältigkeit von Biokunststoffen, sondern auch, wie weit fortgeschritten die Verarbeitbarkeit und die finalen Produkteigenschaften von Biokunststoffen sind“, sagt Bjarne Högström von FKuR.
Da Biokunststoffe zu erheblichen Anteilen aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, leisten sie unabhängig von der Art ihrer Verwertung einen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und zur Einsparung fossiler Ressourcen. Doch auch die Hersteller von „herkömmlichen” Verpackungen unternehmen viel, um ihren „CO2-Fußabdruck”, also die CO2-Bilanz über die gesamte Wertschöpfungskette, zu reduzieren oder auszugleichen. So bietet die August Faller KG aus Waldkirch ihren Kunden an, die CO2-Emissionen zu kompensieren, die durch ihren Druckauftrag entstehen.
Auch die Verpackungsmaschinenbauer ziehen mit: Die beiden Unternehmen der Piepenbrock Unternehmensgruppe (PUG), Loesch Verpackungstechnik GmbH und Hastamat Verpackungstechnik GmbH, stellen CO2-neutrale Maschinen her. Über Klimaschutzprojekte gleichen sie diejenigen Emissionen aus, die während des Wertschöpfungsprozesses freigesetzt werden. Sie erfanden dafür das Gütesiegel „carbon neutral packaging“. Zusätzlich pflanzen sie Bäume im firmeneignen Piepenbrock Forst, um einen CO2-neutralen Betrieb ihrer Maschinen in der Produktion beim Kunden zu realisieren.
Ein weiterer Trend geht zur Materialeinsparung. Statt aufwändiger Schalen werden geringere Materialstärken, flexible Verpackungen und kleinere Anteile ressourcenintensiver Materialien wie Aluminium verwendet. Nach Angaben von Dr. Kerstin Röhrich für die Deutsche Materialeffizienzagentur demea ist etwa bei Aluminiumverpackungen der Materialeinsatz seit den 80er Jahren je nach Produktgruppe um 15 bis 42 Prozent gesunken. So hat sich die Umweltbilanz von Getränkedosen in den vergangenen Jahren enorm verbessert: Die erste Getränkedose vor 60 Jahren wog über 80 Gramm. Heute wiegt eine Dose samt Deckel nur noch rund 16 Gramm, heißt es bei Ball Packaging Europe, einem der führenden Getränkedosenhersteller Europas.
Überhaupt haben die meisten Unternehmen in den zurückliegenden Jahren erhebliche Einsparungen beim Energie- und auch beim Wasserverbrauch erzielt. Bei Ball Packaging Europe ist der Energieverbrauch seit 2005 pro 1000 produzierte Einheiten in den deutschen Werken um insgesamt 32 Prozent gesunken. Dies beruht unter anderem auf der Modernisierung und Optimierung der Druckluftanlagen und Trockenöfen. Der Energieverbrauch bei der Glasherstellung hat sich seit 1970 um 77 Prozent verringert, teilte der Bundesverband Glasindustrie mit. Diese positive Entwicklung ist zum größten Teil den effizienteren Produktionstechniken zu verdanken. Es sind z. B. die modernen Schmelzwannen, aber auch die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte für Emissionen, die zur Reduktion geführt haben.
Werkstoff wie Glas und Aluminium helfen außerdem, Rohstoffe und Energie einzusparen, da sie unendlich oft wiederverwertet werden können. Bei Getränkedosen führt das zu einer Energiereduktion von 95 Prozent. Bei Glasflaschen reduziert sich die Schmelzenergie pro zehn Prozent Scherbeneinsatz um drei Prozent. Auch das Recycling mit dem Grünen Punkt schont das Klima und sichert wertvolle Rohstoffe für die Wirtschaft. So hat das Duale System Deutschland (DSD) durch das Verpackungsrecycling im Vorjahr 49 Milliarden Megajoule an Primärenergie eingespart und den Ausstoß von 1,3 Millionen Tonnen an Kohlendioxidäquivalenten verhindert. „Jedes Kilogramm Kunststoff, dass der Verbraucher in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack statt in den Restmüll gibt, spart 1,3 Kilogramm CO2", sagt Stefan Schreiter, Vorsitzender der DSD-Geschäftsführung.
Bei kontinuierlich steigenden Kosten für Strom, Erdgas oder Heizöl ist Recycling nicht nur ein wichtiges ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Argument. Darüber hinaus zählt die Kundenorientierung zu den Gründen für Nachhaltigkeitsstrategien. Die Weidenhammer Packaging Group (WPG) aus Hockenheim, in Europa Nummer 1 bei Kombidosen, Kombitrommeln, Schmuckdosen und Kunststoffbehältern, ist sich bewusst, dass Verbraucher verstärkt Aspekte wie die Nutzung regenerativer Energien oder umweltfreundliche Produktion in ihre Kaufentscheidungen einbeziehen. So investiert die WPG beispielsweise in Photovoltaik. Derzeit unterhält die Gruppe bereits sechs großflächige Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom, vier weitere sind in Planung. Insgesamt deckt die WPG in Deutschland auf diese Weise 16 Prozent ihres Energiebedarfs selbst ab.
Die große Mehrheit der Unternehmen misst nachhaltigen Verpackungskonzepten heute eine große Bedeutung bei und prognostiziert dem Thema eine gleichbleibende Relevanz auch in Zukunft, ermittelte das EHI Retail Institute. Allerdings bezögen viele Unternehmen Nachhaltigkeit bisher nur auf einzelne Kriterien. „Die Verpackung trägt mehr und mehr zur Glaubwürdigkeit des Produkts bei, gleichzeitig wird sie ihre eigene Nachhaltigkeit beweisen müssen”, stellte Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verpackungsinstituts, fest.









