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Blick zurück auf die Interpack: Werte und Innovationen
Blick zurück auf die Interpack: Werte und Innovationen
Die Sonderschau des "InnovationParc Packaging" stieß ebenfalls auf großes Interesse. Dieses Projekt wurde ermöglicht durch das EHI Retail Institut, die Pan European Brand Design Association (PDA) und die Zukunftsinstitut GmbH.
Ca. 50 Firmen und Verbände beteiligten sich an einem Konzept, das die fünf Schlüsselbegriffe Gesundheit (Wohlbefinden), Sinn (Nachhaltigkeit), Ästhetik (Design), Einfachheit (Reduktion) und Identität (Zugehörigkeit) herausarbeitete, um zeitgenössische Lebensqualität zu beschreiben.
Diese fünf Werte bildeten die Titelthemen für fünf Shopbereiche, die in einem Oval zusammengefasst und durch eine Präsentationsebene miteinander verbunden wurden. Das ganze Projekt bildete ein einzigartiges Forum für Kontakte, Best-Practice-Beispiele und visionäre Designentwürfe aus der gesamten Wertschöpfungskette.
Johan Martensson ist Group Marketing Manager von A&R Carton AB aus Malmö, Schweden. A&R Carton ist ein Faltkartonspezialist mit einem Jahresumsatz von ca 350 Mio Euro; in acht Ländern produzieren 14 Niederlassungen spezielle Kartonprodukte und Qualitätsverpackungen aller Art.
Martensson weiß um den Wert gewisser Alleinstellungsmerkmale am Point Of Sale: “Es gibt ein Zeitfenster von ungefähr zwei Sekunden, in dem der normale Konsument seine Kaufentscheidung trifft. Alle Design- und Marketingaktivitäten laufen auf diesen einen Augenblick hinaus, um den einen Unterschied auszumachen und dort bestehen zu können. Wir wollten zeigen, inwiefern Design unsere Kunden und deren Kunden, die Verbraucher also, zu fesseln vermag.“
Wie sieht Ihr Beitrag zu diesem Projekt aus, und welchen Ansatz haben Sie dabei verfolgt?
„Durch frühere innovative Gestaltungen und aus unseren Erfahrungen mit Verpackungslösungen für die unterschiedlichsten Abnehmer wussten wir, wie hilfreich es sein kann, wenn Leute zum Querdenken gebracht werden; es setzt Fantasie und Kreativität frei.
Zu Beginn unseres Prozesses überlegten wir, wie wir neue Märkte und Zielgruppen auf der Basis eines bereits bestehenden Produktes ansprechen könnten, das bekannt ist und eine allseits akzeptierte Funktionalität besitzt. Wir kamen auf das Modell des Sixpacks, ursprünglich als Biergebinde entworfen. Wir arbeiteten das um und fertigten drei verschiedene Variationen an: einen Faltkarton für Shampoos, einen weiteren, der zwar Dosen umschließt, die aber ihrerseits Pflanzensamen enthalten – man kann sie in der Dose ziehen und später umtopfen. Das dritte war - etwas verrückt – für Toilettenpapier. Wir werden die Idee nicht weiter verfolgen, aber am Stand half dieser Prototyp den Zuschauern, die Bahnen ihres gewohnten Denkens zu verlassen.“
Was fällt Ihnen persönlich zu den fünf Begriffen ein?
„Ich denke, dass Einfachheit ganz entscheidend sein wird, denn die Verbraucher werden immer wählerischer. Uns steht eine immer größere Auswahl an Dingen zur Verfügung, außerdem sind wir und verbrauchen wir Dinge immer häufiger unterwegs. In einem hektischen Alltag muss es beispielsweise möglich sein, auch unterwegs zu essen. Da wird die Einfachheit, die Benutzerfreundlichkeit der Verpackung ganz schnell zum entscheidenden Faktor. Überhaupt ist die Verpackung in der Regel eine wichtige Werbe- und Markenkommunikationsfläche für die meisten Produkte.
Das bringt uns zum Punkt der Identität, der auch eine wichtige Rolle spielt. Wir ‘branden’ uns mittlerweile, empfinden eine stärkere Affinität zu Produkten, von denen wir denken, dass sie gut zu uns, zu unserer eigenen Marke, passen. Ich beispielsweise bin Schwede und wie viele meiner Landsleute sehr an Gesundheit und Nachhaltigkeit interessiert. Daher werde ich mich voraussichtlich schon unterbewußt für Produkte dieser Kategorie entscheiden.
Aber auch für die Verpackungen ist der Begriff der Gesundheit natürlich wichtig. Empfindliche Produkte müssen sicher aufbewahrt und transportiert werden können, denken Sie nur an Arznei- oder Lebensmittel."
Diese drei Punkte ließen sich unter Umständen sogar zahlenmäßig werten und kategorisieren. Aber wie steht es mit den 'weichen' Kriterien Begriffen Sinn und Ästhetik?
„Ungeachtet aller persönlichen Wertevorstellungen glaube ich, dass viele Kaufentscheidungen auch in Zukunft noch durch einen starken psychischen oder physischen Reiz am POS gefällt werden. Also sind die Ästhetik und vor allem die Funktionalität des Verpackungsdesigns wichtig für die Zukunft. Und ich halte es für unverzichtbar, sich hier und heute darüber Gedanken zu machen, sie zu zeigen und mit anderen zu teilen.
Im Begriff Sinn (Nachhaltigkeit) finden all diese Dinge zusammen. Intelligente Verpackungen sind nachhaltig, weil sie die Logistik vereinfachen, was wiederum ökonomisch wie ökologisch sinnvoll ist. Danach verlangt auch die moderne Gesellschaft. Ein sinnerfülltes, nachhaltiges Leben wünscht sich jeder, den ich kenne. Doch die globalen Probleme, Kriege oder Naturkatastrophen, deren Zeugen wir durch die Medien werden, schärfen unser Bewusstsein für Nachhaltigkeit viel intensiver, als das der Menschen in früheren Zeiten.“
Welche Rolle schreiben Sie den Medien in dieser Entwicklung zu?
„Meiner Meinung nach werden uns die Neuen Medien immer stärker beeinflussen. Denken Sie an das, was Sie heutzutage allein schon mit Ihrem Telephon anstellen können. Es ist so einfach geworden, sich zu vernetzen und online zu sein, Foren zu besuchen, Facebook, Linkedin, Xing oder YouTube. Immer mehr Leute werden damit arbeiten, denn alle Informationen sind da draußen und zwar jederzeit. Es ist nur an einem selbst, den bestmöglichen Nutzen daraus zu ziehen.
Vielleicht nutzt man Facebook für seine Freundschaften. Dann hat man ein gewisses Vertrauen seiner Freundesliste gegenüber und ist dankbar für ihr Wissen, bestimmte Produkte betreffend. Wenn ich mir ein neues Auto kaufen möchte, frage ich vermutlich einige meiner Facebook nach ihren Erfahrungen oder Empfehlungen. Denn sie kennen mich und wissen, was sie mir empfehlen können und was nicht. Ein derart direktes Rating bekomme ich in keinem Automagazin.
Andere Portale, wie Xing oder Linkedin, sind vielleicht geeigneter für berufliches Netzwerken; Menschen teilen Informationen und Kontakte aus dem Geschäftsbereich, Dinge, die ihre Karriere betreffen. Ich denke, Internet, Social Media, sowie iPhones und iPads werden unser Leben und unser Konsumverhalten in Zukunft ganz entscheidend prägen.“
Vielen Dank, Herr Martensson!
Das integrative Konzept des "InnovationParc Packaging" hat viele Besucher angelockt. Alle beteiligten Partner und Firmen lobten überdies die freundliche und konstruktive Atmosphäre, in der viele Einzelgespräche geführt und individuelle Denkanstöße gegeben werden konnten. Markenartikler und Vertriebsspezialisten begegnen einer sich stetig verändernden Kundschaft. Deren Bewusstsein und Werte werden nicht nur vom Markt beeinflusst, sondern durch die Empfehlungen von Freunden und Communities.
Die Verpackungsindustrie steht vor großen Herausforderungen. Und wir sind neugierig auf den "InnovationParc" der nächsten Interpack. Bis in drei Jahren!
Blick zurück auf die Interpack: Werte und Innovationen - EHI - Retail Institut
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Blick zurück auf die Interpack: Werte und Innovationen - A&R Carton
