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Durchbruch für den Lebensmittelverpackungsdruck?

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Durchbruch für den Lebensmittelverpackungsdruck?


Die öffentliche Wahrnehmung von UV-Druck hat sich verändert. Ein Grund dafür sind Messergebnisse über den Gehalt von Photoinitiatoren aus UV-Druckfarben in Lebensmitteln. Anfang dieses Jahres meldete die BASF einen technologischen Durchbruch: Mit Igracure 270 soll erstmals einen schnelle UV-Härtung bei nur noch sehr geringer Emission möglich sein.

Wenn es schon soweit ist, dass es Druckereibetrieben unangenehm ist, wenn öffentlich wird, dass sie im UV-Druck produzieren – dann besteht Handlungsbedarf. Nach Angaben der Fogra Forschungsgesellschaft Druck e.V. sind technische Lösungen zur wirksamen Verminderung bzw. Vermeidung von Fotoinitiatormigrationen bereits seit Jahren auf dem Markt. Fotoinitiatoren sind fotoaktive Substanzen, die bei der Belichtung mit UV-Licht Radikale bilden und eine Polymerisation auslösen. Aus Kostengründen werden die entsprechenden Farbserien jedoch nicht ausreichend genutzt.

Mit der Entwicklung von Igracure meldete die BASF im Januar 2011 einen „technologischen Durchbruch“ bei der Entwicklung von kationischen Fotoinitiatoren für den Verpackungsdruck. Erstmals sei eine schnelle UV-Härtung bei nur noch sehr geringer Emission möglich, meldete das Unternehmen. Igracure 270 ist ein neues hoch molekulares Sulfoniumsalz, das die hohen Anforderungen für den UV-härtbaren Druck von Lebensmittelverpackungen erfüllen soll. Emissions- und Migrationswerte seien sehr niedrig, was umfangreiche Tests bewiesen hätten, so das Unternehmen. Das vollständige Zulassungspaket für die Registrierung wurde erstellt.

Die Haupteinsatzgebiete für Igracure 270 sind UV-Härtungsanwendungen, die emissionsarme Systeme voraussetzen, wie zum Beispiel klare Überdrucklacke, Flexodruckfarben, Siebdruckfarben und Inkjetfarben für die Bedruckung von Lebensmittelverpackungen aus Karton, Kunststoff oder Metall.

Sicherheit ist gefragt

Anreicherungen von Chemikalien in Lebensmitteln sind in den letzten Jahren massiv in den Fokus der Konsumenten geraten und damit auch in den von Lebensmittelherstellern und Handelsketten. Immer wieder berichten die Medien von Schadstoffen, die aus der Verpackung in das Füllgut migriert sind, nachgewiesen wurden recht hohe Mengen verschiedener Fotoinitiatoren in Lebensmitteln wie beispielsweise Nudeln, Reis, Pizzateig, Müsliriegeln oder Keksen. Diese Nachrichten verunsichern die Verbraucher und bescheren den Unternehmen nicht zuletzt große Schäden. Sicherheit ist gefragt – für Hersteller und Verbraucher gleichermaßen. Der Markt für Lebensmittelverpackungen ist groß, aber die UV-Drucker müssen sich ähnlich hohen Anforderungen stellen wie bei der Produktion von Arzneimittel- und Kosmetikverpackungen, die ebenfalls UV-Druckprodukte sein können. Auch wenn ein Risikopotenzial vorhanden ist, so ist doch jede einzelne Prozessvariable heute kontrollierbar und beherrschbar, so dass es nicht einmal zu einer potentiellen Kontamination führen muss.

Auch das 6. Anwenderforum UV-Druck der Fogra beschäftigte sich im November letzten Jahres mit dem Thema. Hier wurde deutlich, dass auch die Lebensmittelindustrie aus verständlichen Gründen kompromisslos sichere Verpackungen fordert. Im Hause Kraft Foods beispielsweise sind besondere Genehmigungen notwendig, wenn Verpackungen mit UV-Farben bzw. -Lacken bedruckt werden sollen.

Nur risikolose Systeme auf dem Markt?

Diskutiert wurde auch die Frage, warum nicht überhaupt nur noch risikolose Farbsysteme auf den Markt seien. Zwar würde der Preis der Druckfarben steigen, für den Endverbraucher wären die damit verbundenen Preiserhöhungen aber kaum spürbar sein – und die Themen Migration und Kontamination wären endgültig vom Tisch. Doch ob diese Strategien am Markt wirklich umsetzbar sind, kann von den Experten derzeit noch nicht abgeschätzt werden.

Auf eine angepasste Auswahl der Karton- und Papierqualitäten setzt zum Beispiel die Mayr Melnhof Karton AG und empfiehlt für sensible Verpackungsgüter Kartonverpackungen aus Frischfasern. Die Belastung von Packgütern durch Kontaminationen können auch aus Recyclingfasern aus den Umkartons resultieren, so dass auch für die Auswahl der Umkartons hohe Qualitätsvorgaben gelten müssten. Auch Fehlgerüche durch die UV-Strahlung beim Härtungsvorgang in der Durckmaschinen stellen ein Problem dar: Verschiedene Fotoinitiatoren bilden aus der Druckfarbe stark riechende Zerfallsprodukte, und auch Bindemittel für den Papierstrich auf der Basis von Butadien/Styrol erzeugen bei einer Bestrahlung mit UV-Licht unangenehm riechende Bruchstücke, betont das Fogra-Institut. Die Wasch- und Feuchtmittel spielen außerdem eine Rolle, und auch die Rezyklierbarkeit von UV-Drucken ist in diesem Zusammenhang ein Thema. Erste Kunden erwarten eine klimaneutrale Herstellung von Druckprodukten, so dass es natürlich ebenfalls von Interesse ist, ob diese nach ihrem Gebrauch zu Sondermüll bzw. Hausmüll werden oder ob ihre Rohstoffe durch Recycling wieder dem Kreislauf zugeführt werden können.

Alles in allem stehen entsprechende Lösungen bereit. Eine Antwort auf die Fragen ob, wann und in welchem Umfang diese die konventionellen Prozesse ablösen, scheint jedoch noch nicht in Sicht.

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