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Umweltkennzeichnungen: Fluch oder Segen?
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Umweltkennzeichnungen: Fluch oder Segen?
Die Aufgabe von Umweltkennzeich-nungen auf Verpackungen ist es, die Produkte innerhalb einer Gruppe auszuzeichnen, die vorgegebenen Anforderungen an Umweltleistungen erfüllen. Oft jedoch entstehen Probleme bei der Produktbewertung – bis hin zu Marktverzerrungen. In einem Positionspapier zur Umweltkenn-zeichnung nimmt Plastics Europe dazu Stellung.
Die Norm DIN EN ISO 14024 „Umweltkennzeichnungen und -deklarationen – Umweltkennzeichnung Typ I – Grundsätze und Verfahren“ enthält Vorgaben für Ökolabel-Systeme. Ob „Der Blaue Engel“ in Deutschland, der „Nordische Schwan“ in Skandinavien, das EU-Umweltzeichen oder das japanische „Ecomark“: Alle diese Umweltkennzeichnungen sind freiwillige Kennzeichen, die einen klar definierten Markt abbilden. Versuche, die Ökolabel zu harmonisieren, sind bisher gescheitert. Das wichtigste Merkmal dieser Kennzeichnungen ist wohl, dass die Kriterien für die Vergabe eines Kennzeichens und die Entscheidung, ob ein bestimmtes Produkt mit dem Kennzeichen versehen werden darf, nicht in Eigenregie der herstellenden Unternehmen oder einzelner interessierter Kreise gefällt wird, sondern durch eine neutrale Körperschaft. Die Bewertung, ob für eine bestimmte Produktkategorie ein Zeichen vergeben wird, welche Umweltauswirkungen für die Zeichenvergabe relevant sind und welche Leistungsmerkmale in den jeweiligen Umweltbereichen zu erfüllen sind, wird in formalisierten Verfahren durchgeführt.
Hersteller äußern Kritik
Trotz des Anspruchs, dass hier Kriterien auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Grunde liegen sollten, findet häufig das Vorsorgeprinzip Anwendung, kritisiert Dr. Ingo Sartorius, Geschäftsführer Kunststoff und Umwelt im Kunststofferzeugerverband Plastics Europe Deutschland e.V. Denn häufig würde anstelle einer Risikobewertung nur die Vermutung des Gefährdungspotenzials angestellt, die Lebenswegbetrachtung der Gebrauchsphase außer Acht gelassen oder ein „überzogener“ Rezyklatanteil gefordert, so Sartorius. Der Verband Plastics Europe stellte daher jetzt sein Positionspapier zur Umweltkennzeichnung vor.
Theorie und Praxis
Die Normenreihe ISO 14000 ff und insbesondere ISO 14020 ff beschreiben zentrale Regeln, wie produktbezogene Umweltinformationen genutzt werden können. Die Auswahl einer Norm hängt von den jeweiligen Produkten ab sowie von den an ein Unternehmen gestellten Ansprüchen. Zu den Grundsätzen der ISO 14020-Reihe gehören korrekte Angaben, das Vermeiden von Innovations- und Handelshemmnissen, nachprüfbare Methoden, die Betrachtung des Lebensweges eines Produktes, Maß zu halten, offene Beratungen sowie dem Käufer Informationen zu liefern. Plastics Europe kritisiert aber das tatsächliche Vorgehen in der Praxis. Gefordert wird, dass wissenschaftlich fundierte Risikobewertungen die Basis für Entscheidungen über die Auswahl von Materialien bilden und die Risiko-Management-Entscheidungen die tatsächliche Verwendungsart und Aufnahmemenge berücksichtigen sollten. Es wird bemängelt, dass Entscheidungen zu oft lediglich auf der Basis eines theoretischen Gefährdungspotenzials getroffen werden. Im Öko-Marketing stünden Image und Emotionen häufig vor Fakten und wissenschaftlichen Resultaten, und Alternativen würden zu oft als überlegen dargestellt – und zwar ohne das Preis-Leistungsverhältnis oder die genaue Kenntnis der Toxikologie und Ökologie zu berücksichtigen.
Kunststoffprodukte im Nachteil?
Der Verband sieht Kunststoffprodukte hier klar benachteiligt und erklärt, dass potenzielle Risiken heute erkannt sind und durch geeignete Maßnahmen minimiert werden. Außerdem dürfe ein Risiko für die Gesundheit oder die Umwelt nicht aus der bloßen Anwesenheit eines toxischen Stoffes abgeleitet werden. Darüber hinaus hätten Kunststoffprodukte klare gesetzliche Regeln zur Produktsicherheit, dem Verbraucherschutz und dem Chemikalien-Gesetz zu erfüllen.
Plastics Europe bezieht eine klare Position zur Umweltkennzeichnung. Demnach sind Kunststoffprodukte nachhaltig, nur der Begriff „öko“ ist einschränkend. Außerdem müssen bei der Beurteilung auch die primäre Produktfunktion beachtet werden und die Vergabegrundlagen und Kriterien auf der Basis von Fakten beruhen, so der Verband. Außerdem werden die Betrachtung des gesamten Lebenswegs sowie eine eindeutige und unmissverständliche Kommunikation gefordert. Schließlich sei ein Öko-Label nicht die alleinige Basis für Kaufentscheidungen.
Bewertung von Nachhaltigkeit
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass – trotz oder wegen einer zunehmenden Flut an Labels und Produktkennzeichnungen – die Bewertung, ob ein Produkt im Supermarkt-, Baumarkt- oder Drogeriemarktregal nachhaltig ist, für den Konsumenten schwierig ist. Gibt es „das“ nachhaltige Produkt überhaupt? Wohl nicht. Nachhaltigkeit ist ein sehr vielschichtiger Begriff, der die verschiedensten ökologischen und sozialen Aspekte abdeckt. Die meisten Produkte durchlaufen entlang ihres Lebensweges eine global vernetzte Wertschöpfungskette. Das macht es schwierig, die ökologischen und sozialen Bedingungen – verbunden mit der Herstellung, Nutzung und Entsorgung des Produktes – zu verfolgen. Doch genau dieser am Lebenszyklus orientierte Ansatz ist vermutlich der Schlüssel zu einer umfassenden Bewertung der Nachhaltigkeit eines Produktes. Andererseits braucht und wünscht der Konsument am Point of Sale einfache und vor allem eindeutige Kriterien für seine Entscheidung. Die Gratwanderung zwischen einer einfachen Kennzeichnung und einer Orientierung im Gütezeichendschungel sowie die Frage für die Unternehmen, ob die Kennzeichnung eher Fluch oder Segen für das einzelne Produkt ist, bleibt der Welt wohl noch eine Weile erhalten.
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