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Der Kunststoffmarkt in Europa: Rückblick und Ausblick

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Der Kunststoffmarkt in Europa: Rückblick und Ausblick


Sie war zwar kurz, dafür aber heftig – die Weltwirtschaftskrise 2009. Auch wenn sich die Stimmung langsam wieder aufhellt, und der Ausblick in das Jahr 2010 durchaus positiv ist, hat das vergangene Jahr auch in der internationalen Kunststoffbranche tiefe Spuren hinterlassen.

Die Kunststoffindustrie ist verwöhnt. Seit über 50 Jahren schreibt der Werkstoff eine Erfolgsstory mit kontinuierlichem Wachstum. Wurden im Jahr 1950 noch 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, so waren es nach Angaben des europäischen Verbandes der Kunststofferzeuger Plastics Europe im Jahr 2008 weltweit 245 Millionen Tonnen. Das durchschnittliche jährliche Wachstum betrug in diesem Zeitraum rund neun Prozent. Europas Anteil an der internationalen Kunststoffproduktion betrug 2008 mit 60 Millionen Tonnen rund 25 Prozent.
In Europa lag der Kunststoffverbrauch im Jahr 2008 bei 48,5 Millionen Tonnen. Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien halten einen Anteil von rund 66 Prozent des europäischen Marktes. Rund 38 Prozent des europäischen Verbrauchs von Kunststoff-Werkstoffen geht in die Verpackungsindustrie.

Reaktionen auf die Krise

Die Reaktionen auf die Krise verliefen unterschiedlich, aber nahezu jeder Hersteller musste handeln: Reduktion von Lagerbeständen, Verringerung der Durchlaufzeiten, Vorziehen von Wartungsarbeiten, temporäre Stilllegungen von Anlagen bzw. die komplette Stilllegung kleinerer, unrentabler Anlagen und das Aufsetzen oder Verstärken von Effizienz-Programmen sind und waren an der Tagesordnung. Arbeitszeiten wurden angepasst, Kurzarbeit und die Verringerung von Leiharbeitskräften wurden fast überall notwendig.

Blick nach vorn

Doch die Stimmung hat sich aufgehellt, der Blick geht nach vorn. Für die Kunststoffhersteller bedeutet dies, dass mit einem weiteren Anstieg des Pro Kopf-Verbrauchs gerechnet werden kann – moderat zwar, aber kontinuierlich. Für Nordamerika, Westeuropa und Japan gehen Branchenkenner von einem jährlichen Wachstum von etwa 100 Kilogramm pro Kopf aus. Auch wenn für Asien und Osteuropa mit einem noch viel signifikanteren Wachstum gerechnet werden darf, wird der pro Kopf-Bedarf in diesen Regionen im Jahr 2015 noch immer weit unter dem Verbrauch der traditionellen Märkte in Nordamerika, Westeuropa und Japan liegen, so lauten die Prognosen.

Herausforderungen der Zukunft

Nach Ansicht von Plastics Europe ist die Industrie für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet: Die weltweite Bevölkerung wird wachsen und die sozialen demographischen Veränderungen sind unaufhaltbar. Im Fokus stehen daher die Bekämpfung von Hunger und der Knappheit von Trinkwasser. Durch die Trends von Globalisierung und Urbanisierung entstehen immer neue Jobs, die Möglichkeiten von Mobilität und Kommunikation werden immer größer und vielfältiger. Auch der viel diskutierte Klimawandel hat bekanntermaßen weitreichende Konsequenzen: Energie-Effizienz bekommt für die Menschen sowohl zu Hause also auch am Arbeitsplatz eine ganz neue Dimension, die Suche nach weiteren Quellen fossiler Brennstoffe wird beschleunigt, die Suche nach neuen Energie-Mixes wird ebenfalls verstärkt unterstützt. Das weltweit wachsende Gesundheitsbewusstsein als weiterer Megatrend führt zu einer Verbesserung von Diagnosen und Behandlungen sowie zur Entwicklung immer besserer medizinischer Geräte, Prothesen, etc. Und nicht zuletzt ist auch der technische Fortschritt nicht aufzuhalten: Neue Möglichkeiten wie beispielsweise die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie oder die Entwicklung immer schnellerer und billigerer Computer Chips machen den Einsatz innovativer Kunststoffe immer wichtiger. Ein Schwerpunkt liegt für fast alle dieser technischen Einsatzgebiete in der Notwendigkeit, Gewicht zu reduzieren. Alle diese sogenannten Mega-Trends bergen für die Branche große Chancen – aber auch Risiken.

Production Hub

Parallel zu diesen Entwicklungen verläuft der „Production Hub“ im mittleren Osten. Besonders in Saudi Arabien, Katar, Kuwait, Abu Dhabi und im Iran werden derzeit hohe Produktionskapazitäten für petrochemische Produkte und Kunststoffe aufgebaut. Hier entstehen modernste Anlagen – bei der Möglichkeit, kostengünstige Rohstoffe zu nutzen. Der Aufbau dieser petrochemischen Anlagen verläuft oftmals in Form von Joint Ventures mit westeuropäischen und asiatischen Unternehmen. Dementsprechend rechnen Fachleute mit einem in Zukunft deutlich wachsenden Anteil der Region Middle East an der gesamten Weltproduktion. Lag der Anteil an der weltweiten PE-Produktion im Jahr 2004 noch bei zehn Prozent, so soll er 2014 bereits bei 18 Prozent liegen. Was die PP-Herstellung angeht, so produzierte die Region 2004 rund fünf Prozent, im Jahr 2014 sollen es schon 13 Prozent sein. Der Wettbewerb wird also sowohl für die Kunststoff-Erzeuger als auch für die -Verarbeiter international immer schärfer.

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