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Die Rettung aus der Büchse
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Die Rettung aus der Büchse
Napoleon brauchte Essen für seine Truppen. Und Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Idee hört sich ganz einfach an: Man füllt Lebensmittel in Dosen, verschließt sie und fertig ist eine Mahlzeit, die sozusagen ewig haltbar ist. Die Rettung kam also buchstäblich aus der Büchse.
Vor 185 Jahren, am 19. Januar 1825, ließen sich Thomas Kensett und Ezra Daggett aus den USA ihre Konservendose patentieren. Das markiert den Beginn einer internationalen Erfolgsgeschichte, noch verstärkt durch die Erfindung des Dosenöffners im Jahr 1855. Seitdem musste der Büchse nicht mehr mit Hammer und Meißel zu Leibe gerückt werden.
12.000 Goldfranken für Haltbarkeit
Doch die eigentliche Idee wurde viel früher geboren: Napoleon Bonaparte machte sich Sorgen um die Gesundheit seiner Männer. Irgendwann reichten Plünderungen alleine nicht mehr aus, um die immer größer werdenden Truppen zu ernähren. Schließlich starben mehr Soldaten an Unterernährung als durch feindliche Truppen. Ende des 18. Jahrhunderts dann versprach Napoleon demjenigen 12.000 Goldfranken, dem es gelingen würde, Lebensmittel wie Fleisch, Obst und Gemüse länger haltbar zu machen. Der französische Koch und Zuckerbäcker François Nicolas Appert entdeckte 1790 das Verfahren der Sterilisation von Lebensmitteln in Flaschen. Er nutzte hierzu Champagnerflaschen, die zwar unhandlich und leicht zerbrechlich waren, aber die Metallherstellung war in Frankreich noch nicht genügend ausgereift. Appert erhitzte die Lebensmittel in den geschlossenen Gläsern auf 100 Grad Celsius und verschloss sie anschließend luftdicht, so dass auch zahlreiche Vitamine erhalten blieben. Die Erfindung wurde zunächst von der französischen Marine getestet und – auch wenn auf der stürmischen See so manches Glas zerbrach – der Inhalt der unversehrten Behälter war genießbar.
Wohltäter der Menschheit
1810 dann erhielt der Zuckerbäcker den Preis „für die Kunst, alle animalischen und vegetabilischen Substanzen in voller Frische zu erhalten“ und ihm wurde der Ehrentitel „Wohltäter der Menschheit“ verliehen. Mit dem Preisgeld konnte er 1812 eine Manufaktur eröffnen, in der er Konserven aus Blech herstellte. Die Dosen aus Weißblech waren leichter und stabiler als Glas und wurden mit Blei zugelötet. Und nicht nur die Marine profitierte von seiner Erfindung, sondern auch mehrjährige Forschungsreisen, zum Beispiel in die Polarregionen, waren jetzt möglich. Auf der Weltausstellung 1851 in London wurde eine 38 Jahre alte „appertsche“ Büchse geöffnet, um zu beweisen, dass der Inhalt auch nach so langer Zeit noch genießbar war. Der Erfolg dieser Erfindung soll zur Folge gehabt haben, dass der europäische Adel, wohlhabende Industrielle und Kaufleute sich ganze Menüs aus Konserven zusammenstellen ließen.
Louis Pasteur wies dann experimentell nach, dass es häufig auch ausreicht, die Lebensmittel nur kurzzeittig auf 70 Grad Celsius zu erhitzen. Sie mussten also nicht mehr unbedingt gekocht werden, um haltbar zu bleiben, und es blieben mehr Vitamine erhalten. Durch die Fortschritte in der wissenschaftlichen Forschung konnten immer mehr Verbindungen in Reinform gewonnen und synthetisiert werden. Die gefundenen Substanzen wurden auch schon auf ihre antiseptischen Eigenschaften hin untersucht. Bereits 1865 wurde von der aseptischen Wirkung der Ameisensäure, 1874 von der Salicylsäure und 1875 von der Benzoesäure beschrieben. Noch heute sind diese Säuren als Konservierungsmittel in Gebrauch.
Um 1900 wurden allein in den USA schon über 700 Millionen Konservendosen hergestellt. Sie dienten weiterhin dem Militär, aber auch längst zivilen Zwecken. Laut dem britischen Schriftsteller George Orwell hätte ohne ihren Einsatz der erste Weltkrieg gar nicht stattfinden können. Anfang des letzten Jahrhunderts wurden die ersten Industrieprodukte in Pappschachteln und Blechdosen verkauft. Die Blechdose war die Verpackung schlechthin in jedem Kaufmannsladen. Im selben Zeitraum erlebten auch die Konserven- und Getränkedosen ihren endgültigen Aufschwung.
Die erste Bierdose kam vor 75 Jahren, am 25. Januar 1935, in den USA auf den Markt. Doch wer damals das neue „Krueger’s Beer“ aus der Dose trinken wollte, der brauchte viel Kraft: Die Getränkedose wog fünfmal so viel wie heute und musste mit einem separaten „Dolch“ aufgestochen werden. Heute ist die Getränkedose ein Leichtgewicht. Ob Bier, Cola, Energy-Drink, Kaffeemischgetränk, Grüner Tee, exotischer Cocktail oder Wein – kaum ein Getränk, das nicht inzwischen auch in der Dose vermarktet wird. Noch heute wächst die weltweite Fangemeinde, und allein in Europa wurden 2008 rund 53 Milliarden Getränkedosen verkauft.
Forschung und Entwicklung gehen unermüdlich weiter. Schonung der Umwelt, Recycling und Nachhaltigkeit sind die Schlagworte unserer Zeit. Die kontinuierliche Gewichtsabnahme der Verpackungen ist ein wichtiger Aspekt in Sachen Nachhaltigkeit. Lebensmitteldosen sind heute um etwa 25 Prozent leichter als noch vor 30 Jahren. Außerdem gilt Metall als das weltweit am häufigsten recycelte Material. Europaweit werden 66 Prozent der Stahl- und 58 Prozent der Aluminiumverpackungen recycelt. Stahlprodukte bestehen heute zu 56 Prozent aus wiederverwertetem Material, Aluminium für Verpackungen enhält 50 Prozent reyceltes Material. Obwohl Aluminium seit 150 Jahren kommerziell genutzt wird, sind heute noch immer 75 Prozent des ursprünglichen Primäraluminiums im Umlauf. So sparen die Verpackungshersteller erhebliche Mengen an Energie: Die Hersteller von Lebensmittel- und Getränkedosen haben in den letzten 20 Jahren ihren Energieverbrauch um 60 Prozent und die CO2-Emissionen um 50 Prozent reduziert, während ihr Marktvolumen um 57 Prozent stieg.
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