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Maßeinheit für Umweltschutz?
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Maßeinheit für Umweltschutz?
„Klimawandel“ und „Nachhaltigkeit“ – das sind die aktuellen Stichworte unserer Zeit, die wohl direkt hinter der „Finanzkrise“ rangieren. Relativ neu in der Diskussion ist der sogenannte „Carbon Footprint“, der auch in der Verpackungsindustrie inzwischen immense Kreise zieht. In Großbritannien haben die ersten Handelsketten damit begonnen, den „CO2-Fußabdruck“ auf Verkaufsverpackungen auszuweisen. Doch eine international einheitlich definierte Maßeinheit für Umweltfreundlichkeit gibt es (noch) nicht.
Die momentane Diskussion zur Nachhaltigkeit stellt die internationale Verpackungsbranche vor neue Herausforderungen. Auf Grund der Forderungen von Öffentlichkeit und Handel steht die Frage im Mittelpunkt, ob sich der „Carbon Footprint“, der den CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Verpackung und Produktinhalt misst, als Bewertungskriterium für nachhaltiges Wirtschaften durchsetzen wird.
Großbritannien ist in puncto „Product Carbon Footprint“ (PCF) Vorreiter. Das Thema steht aber auch nicht nur im übrigen Europa längst zur Diskussion. Ziel des „Carbon Footprint“ ist, alle bei der Herstellung und dem Vertrieb eines Produktes entstehenden Treibhausgase zu berechnen und in einer Zahl zusammenzufassen. Grundlage ist eine standardisierte Methode, die Freisetzung von klimaschädlichen Gasen über den gesamten Lebensweg eines Produktes – vom Rohmaterial über die Herstellung bis zum Vertrieb, Verbrauch und der Entsorgung beziehungsweise Wiederverwertung – zu ermitteln. Das Ergebnis kann von teilnehmenden Unternehmen in Form eines Labels auf der Verpackung oder in anderer Form kommuniziert werden. Verpackungen haben einen ausgesprochen hohen Einfluss auf die Größe des produktbezogenen CO2-Fußabdrucks. Deshalb sind vor allem die Hersteller von Verpackungsmaterial gefordert, ihre CO2-Bilanzen zu verbessern – und das ihren Kunden auch transparent zu machen. Dazu können zum Beispiel optimierte Rezepturen, der Einsatz nachwachsender Rohstoffe, Prozessverbesserungen in der Fertigung und ein effizienterer Energieeinsatz in der Produktion gehören.
Einheitliche Ermittlung gefordert
In den Niederlanden zum Beispiel müssen Verpackungshersteller seit Mai 2008 eine Verpackungssteuer bezahlen. Diese orientiert sich bereits an dem im Produktionsprozess entstehenden durchschnittlichen CO2-Ausstoß. Die Niederlande können so übrigens mit einer jährlichen Steuereinnahme von 365 Millionen Euro im Jahr rechnen. Als Beispiel: Für Glasverpackungen sind pro Kilogramm 6,6 Cent, für Kartonverpackungen 7,3 Cent und für Aluminium- und Kunststoffverpackungen 87,6 bzw. 43 Cent fällig. Der Aufwand eines solchen Verfahrens ist hoch, da die Auswirkungen auf das Klima untersucht und bilanziert werden müssen – und eine einheitlich definierte Maßeinheit für „Umweltfreundlichkeit“ gibt es (noch) nicht. In Frankreich und Großbritannien wurde die CO2-Bilanz, also der „Carbon Footprint“, zur Beurteilung inzwischen eingeführt, in Deutschland gilt die Ökobilanz als Grundlage. Wenn es eine einheitliche internationale Berechnungseinheit für den Fußabdruck gäbe, dann könnten Waren auch ein entsprechendes Label erhalten.
Führende Unternehmen weltweit haben die Chancen jedenfalls längst erkannt, die ein aktiver Klimaschutz für den unternehmerischen Erfolg bieten kann. Voraussetzung dafür ist die Kenntnis der eigenen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Dafür muss eine einheitliche Ermittlung der mit der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Waren und Dienstleistungen einhergehenden Treibhausgasemissionen gewährleistet sein. Die Darstellung von emissionsreduzierten Produkten kann dann als eindeutiger Wettbewerbsvorteil im wachsenden Markt für klimafreundliche Angebote dienen.
Auf einer Tagung des AGVU (Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt e.V.) im November vergangenen Jahres wurde deutlich gemacht, dass das Konzept „Carbon Footprint“ eine Simplifizierung gegenüber den eingeführten Ökobilanzen darstellt, die eine Reihe wichtiger weiterer Umweltaspekte bewusst ausblende. In Europa gäbe es eine wachsende Zahl unterschiedlicher „Carbon Footprint“-Initiativen, deren größtes Problem es sei, dass Methoden entwickelt würden, ohne dass der Zweck des CO2-Fußabdrucks präzise geklärt sei. Auf jeden Fall sei zu vermeiden, dass es nicht zu unharmonisierten, widersprüchlichen Kennzeichnungen von Verpackungen im europäischen Binnenmarkt kommt, die den Warenverkehr beeinträchtigen und den Verbraucher mehr verwirren als informieren würden.
Verbraucher verlangen Aufklärung
Der moderne Konsument verlangt jedoch genau diese Information und Aufklärung: Bislang hat er kaum Möglichkeiten, um klimafreundliche Angebote zu erkennen und bei Kaufentscheidungen zu berücksichtigen. Es gibt derzeit keine einheitlichen und nachvollziehbaren Kennzeichnungen von Konsumgütern, obwohl „grüne“ Produkte im Trend liegen und die Verbraucher immer kritischer werden.
Bereits im März 2007 wurde vom Carbon Trust, Großbritannien, gemeinsam mit einigen Marken ein Pilotprojekt initiiert, um Product Carbon Footprints nach einer einheitlichen Methode zu berechnen. Im Ergebnis der Analyse konnten die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette reduziert und dieses Ergebnis dann über ein CO2-Label kommuniziert werden. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich und der Schweiz wird die Ermittlung und Kennzeichnung der Klimarelevanz von Konsumgütern ebenfalls diskutiert.
In Deutschland ermöglicht ein Konsortium aus WWF, Öko-Insitut, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Thema1 ausgewählten Unternehmen die Teilnahme an einem solchen Pilotprojekt. Diese erhalten die Möglichkeit, eigene produktbezogene Treibhausgasbilanzen nach einer international anerkannten Methodik zu erstellen, zu kommunizieren und so die Konsumenten sachgerecht zu informieren und bei klimabewussten Kaufentscheidungen zu unterstützen.
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