Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: interpack Magazin. Convenience & Verpackung.

Zielgruppe Zukunft

Artikel

Zielgruppe Zukunft


Großansicht in Bildergalerie

Zu kleine Beschriftung, zu schwer zu öffnen, zu große Verpackungen: Viele Senioren haben nach wie vor Probleme mit Verpackungen – und wechseln lieber das Produkt, als sich über unhandliche Verpackungen zu ärgern. Dass das bei der stetig steigenden Anzahl älterer Konsumenten Konsequenzen für die Verpackungsindustrie und Markenartikler hat, liegt auf der Hand. Denn die Generation 50+ ist die Zielgruppe der Zukunft.

Lebensmittel, Kosmetik, Haushaltsprodukte und Medikamente: Nach Schätzungen von Experten haben rund 70 Prozent der Senioren Probleme mit dem Öffnen von Verpackungen. Im Jahr 2030 wird mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre sein. Und das ist in den meisten anderen Industriestaaten nicht anders. Zum einen sind die sogenannten „Best Ager“ eine enorm kaufkrätige Zielgruppe für die Markenartikler, zum anderen benötigen sie auch immer mehr Medikamente, deren Verpackungen aus Sicherheitsründen vor allem oftmals nicht leicht zu öffnen sind. Gründe genug für die Verpackungshersteller, auf dieses Zukunftsthema schnell zu reagieren.

Kleine Schrift, kaum zu entziffernde Haltbarkeitsdaten, komplizierte Plastikhüllen, schlechte Portionierbarkeit – das sind die größten Probleme, die Senioren bei Verpackungen beklagen. Auch der hohe Kraftaufwand, der beim Öffnen vieler Verpackungen nötig ist, schwer greifbare Laschen, die gezogen werden müssen und schlecht lesbare Gebrauchsweisungen oder Beipackzettel von Medikamenten machen dieser Generation das Leben schwer. Um Tabeltten aus Blistern zu drücken, braucht es häufig auch noch Kraft und Fingerfertigkeit, und beides lässt im Alter nach. Von der Verpackungsindustrie wird der Spagat zwischen Kindersicherheit auf der einen und Seniorenfreundlichkeit auf der anderen Seite erwartet – gerade im Pharma-Bereich und bei Haushaltsprodukten eine brisante Herausforderung.

Aber schon bei CD-Hüllen oder Vanillezucker kann das Finden und Greifen des kleinen roten Aufreißbändchens Probleme bereiten, und die Bedeutung von „Press“ oder „Light“ häufig höchstens erahnt werden. Gute seniorengerechte Produkte und Dienstleistungen sind die Wachstumsbranche schlechthin. Der Anteil der über 50-Jährigen wird im Jahr 2035 bei 58 Prozent liegen, während die unter 50-Jährigen nur noch auf rund 42 Prozent kommen. Die über 65-Jährigen haben das größte Wachstumspotenzial: Ihr Anteil am Gesamtkonsum soll sich bis 2035 auf 26 Prozent erhöhen.

An Ideen fehlt es nicht

Dabei fehlt es weniger an guten Ideen als an deren praktabler Umsetzung. Der Technologiespezialist Bizerba zum Beispiel hat jetzt reagiert und sein Angebot an Etikettier- und Kennzeichnungssystemen für den Logistikeinsatz erweitert. Mit der neuen Version des GLM-L steht ein vollautomatisches Etikettiersystem zur Verfügung, das jetzt auch im Thermodirekt- oder Thermotransferdruck gefertigte Etiketten bis zur einer Größe von DIN A 5 aufbrigen kann. Der GLM-L-Etikettierer wird zur Beistellung oder zum Anbau an eine Transporteinrichtung beispielsweise in Verbindung mit einem Vollautomaten der GLM-Serie oder in Kombination mit einer Wäge- und Tansporteinheit im höherlastigen Bereich eingesetzt.

Im Pharma-Bereich könne Wallets Abhilfe schaffen: Pillenpackungen, die kindersicher und trotzdem ohne Kraftaufwand zu öffnen sind. Reißt man die Plastiklasche ab, wird eine Drehscheibe, auf der die Pillenkapsel liegt, beweglich. Dann kann sie um 90 Grad gedreht und leicht herausgedrückt werden. Eine beigefügte Papplasche hat Platz für gut lesbare Informationen. Aber Walltes sind kaum auf dem Markt, sie sind einfach zu teuer. Ein weiterer Schritt wären elektronische Verpackungen, die sich nur um eine bestimmte Uhrzeit öffnen lassen und den Patienten sogar an die Einnahme erinnern können. Aber auch sie haben den Schritt in den Markt noch nicht geschafft.

Auch an Kreativität besteht kein Mangel: Das renommierte Meyer-Hentschel Institut testet mit dem „Age Explorer“ zum Beispiel die Verpackungen von Edelmann auf ihre Seniorentauglichkeit. Der Anzug simuliert das Älterwerden. Schlüpft man hinein, reduzieren sich sofort die Beweglichkeit im Arm- und Bein-Bereich, Gewichte simulieren die nachlassende Kraft, Handschuhe vermitteln die reduzierte Feinmotorik und Anzeichen von Arthritis. Ein spezieller Helm sorgt für schlechtere Sehkraft, Kopfhörer für Schwerhörigkeit.

Die Werbeagentur Advico Y&R in Zürich hat, um ein weiteres Beispiel zu nennen, ein Design für Fertigmenü-Verpackungen speziell für Senioren über 85 Jahre entwickelt. Das Design nimmt Rücksicht auf die häufig verringerte Sehkraft der Zielgruppe und setzt auf eindeutige Farbcodes, um die Menükategorien zu unterscheiden. Hinzu kommt eine extragroße Beschriftung. Auftraggeber war die Firma „Menu and More“, die Fertigmahlzeiten an Altenheime und verschiedene Organisation liefert.

„Rentnerverpackung“ unerwünscht

Aber hier lauert auch schon die nächste Herausforderung. Denn das Aussehen von Verpackungen spielt – auch und besonders für diese Generation – eine wichtige Rolle. Nicht nur junge Leute achten auf trendiges Design. Die Senioren von heute möchten keine diskriminerenden Verpackungen. Diese Generation fühlt sich nicht alt, achet auf ihr Äußeres, kleidet sich durchaus modisch und möchte keinesfalls wie ein „Senior“ behandelt werden. In einer klassischen „Seniorenverpackung“ liegt die Zukunft also sicher auch nicht. Die Lösung liegt wohl am ehesten in „seniorenkonformen“ Verpackungslösungen. Eine Rentnerverpackung, die auch so aussieht, ist sicher nicht gefragt.

Mehr Informationen