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Frisch, haltbar, nachhaltig und bezahlbar

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Frisch, haltbar, nachhaltig und bezahlbar


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Die Milchkanne war gestern. Zwischen der einfachen Abfüllmethode von damals und der komplexen Technik von heute liegen Welten. Frisch, haltbar, nachhaltig und bezahlbar: Das sind die modernen Forderungen an Getränke und Lebensmittel. Für Inhalt und Verpackung sind höchste Ingenieurtechnik und Hygienestandards gefragt.

Die Fragen, ob Aseptik ein Garant für die sichere und wirtschaftliche Herstellung von Getränken ist und welche Alternativen heute zur Verfügung stehen, versuchte auch eine Fachtagung der Akademie Fresenius Anfang November in Mainz zu klären.

11.000 aseptische Füllsysteme

Im Jahr 2008 wurden weltweit rund 120 Billionen Verpackungen – das entspricht 50 Billionen Litern – mit Milch- und Milchprodukten befüllt. Im Bereich der Getränke lag die Zahl der Füllungen bei knapp 70 Billionen Packungen bzw. 36 Billionen Litern. Diese Zahlen präsentierte Daniel Warrick von Warrick Research aus Großbritannien. Mehr als 11.000 aseptische Füllsysteme sind heute weltweit im Einsatz, die von rund 30 Unternehmen geliefert werden. Wie Warrick berichtete, entfällt rund ein Drittel des Aseptik-Weltmarktes auf Westeuropa, ein Weiteres auf den asiatisch-pazifischen Raum. Nordamerika hat nur einen Anteil von zehn Prozent. Aus Kostengründen gibt es in manchen Ländern aber auch einen Trend zurück zur Heißabfüllung.

Je nachhaltiger, desto produktiver

Auch am Abfüllen von Getränken gehen die Nachhaltigkeitsbetrachtungen nicht vorbei. „Nachhaltigkeit beginnt bei der Veränderung einer in Anspruch genommenen Ressource und endet bei der so weit als möglichen Rückführung in den Urzustand – so dass eine weitere bzw. erneute Transformation mit geringst notwendigem Aufwand möglich ist.“ Diesen Auszug aus „Sustainability issues of running a bolltling operation“ (MZLU Brno 2009) zitierte Michael M. Braitinger, CEO der SCB GmbH. Die Strukturen einer Nachhaltigkeitsbetrachtung der mehrheitlich im Markt vorhandenen Abfüllmethoden sortierte er in Ökonomie, Ökologie und Soziales. Im Fokus aller Überlegungen stehen also u.a. die Herstellkosten der verschiedenen Abfüllprozesse, der Einfluss von Materialkosten, aber auch die Bedeutung von Wirkungs- bzw. Ausbringungsraten und die systemischen Auswirkungen auf die Betriebskosten. Aus ökologischer Sicht müssen Aspekte wie Emissionen, Werkstoffprobleme, FDA-Zulassung oder die Methanol-Diskussion beachtet werden. Sozial spielen das Arbeitsumfeld, die Arbeitshygiene, Stress, Ausbildung oder das verantwortliche Handeln und Hygienebewusstsein des einzelnen Mitarbeiters zentrale Rollen.
Braitinger kam in seinen Vergleichsanalysen zu dem Schluss, dass der Einfluss von reduzierten Preform-Gewichten nichts ändert, da er analog bei allen betrachteten Verfahren berücksichtigt werden kann. Verfahren wie Hot-Filling und dessen Variationen sind derzeit noch schwierig zu beurteilen und neue Verfahren wie die Hochdruck-Sterilisation oder aseptisch gestreckte Flaschen liefern noch zu wenige Ansätze für eine Bewertung. Dennoch hält er es für machbar, grundsätzlich alle technischen Verfahren entsprechend neu zu klassifizieren, wenn man moderne Technologien vor dem Hintergrund der weltweiten Ressourcen-Verknappung untersucht. Im Ergebnis müsste es heißen: „Je nachhaltiger ein Verfahren, umso produktiver und von umso höherer gesellschaftlicher Relevanz ist es.“

Längere Laufzeiten im Spar-Trend

Längere Produktionszeiten versprechen Einsparpotenzial und liegen damit voll im Trend. Ob sich das wirklich lohnt, das beleuchtete Dr. Peter Golz vom VDMA. Als Beispiel wurde die aseptische Abfüllung von H-Milch in Kartonverpackungen näher untersucht: Wird bei einer Abfüllleistung von 7.000 Packungen pro Stunde das Produktionsintervall von 24 auf 100 Stunden erhöht, so könnten knapp 18 Prozent der maschinenbezogenen Herstellungskosten gespart und die Anfahrtsverluste um 19.000 Packungen pro Jahr reduziert werden. Das soll eine Gesamtersparnis von bis zu 55.000 Euro pro Jahr und Maschine zur Folge haben. Doch mit längeren Laufzeiten steigt auch das Hygienerisiko, und Unsterilität kann Einsparpotenzial schnell wieder ins Gegenteil verkehren. Nach den Berechnungen von Dr. Golz beläuft sich der Produktionsverlust auf rund 500.000 Verpackungen, wenn eine entsprechende Störung nach 24 Stunden auftritt und erst nach 72 Stunden erkannt wird. Ob sich eine verlängerte Produktionszeit rechnet, hängt also wiederum von der Höhe der Qualitätskosten ab.

Kaltaseptik bekommt Konkurrenz

Fortschritte in konkurrierenden Verfahren zur Königsdisziplin Kaltaseptik gewinnen zunehmend an Bedeutung. Im Vergleich zur kaltaseptischen Abfüllung hat die klassische PET-Heißabfüllung Nachteile, wie zum Beispiel ein höheres Flaschengewicht oder bei der Etikettierung. Mit einer neuen Streckblas-Technik können inzwischen aber auch für die Heißabfüllung glatte, vergleichsweise leichte Flaschen hergestellt werden. Diese sind zwar immer noch etwas schwerer als für die Kaltaseptik, benötigen aber keine weiteren Barrierestoffe. Laut Berechnungen von Rüdiger Löhl, E-proPlast GmbH, betragen die Investitionskosten etwa eine halbe Million Euro, um eine Glas-Abfüll-Linie auf PET-Heißabfüllung zu konvertieren. Die Gesamtinvestition in eine aseptische Füllanlage betrage rund acht Millionen Euro. Die Break-Even-Punkte liegen laut Löhl – je nach Zusammensetzung der PET-Flaschen und Entfernung der Hotfill-Produktion zur Abfüllanlage – zwischen 20 und 50 Millionen Füllmengen pro Jahr. Erst darüber hinaus könne eine kaltaseptische Anlage tatsächlich günstiger arbeiten.