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Turbulenzen in der weltweiten Papierindustrie

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Turbulenzen in der weltweiten Papierindustrie


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2007 betrug die weltweite Papierproduktion 395 Millionen Tonnen. Dabei lagen die USA auf Platz 1, es folgten China, Japan und Deutschland. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Branche startet sorgenvoll in das Jahr 2009: Der gesamte Weltmarkt muss sich auf Überkapazitäten, eine weiter sinkende Nachfrage und ein extrem schwieriges Geschäftsjahr einstellen.

Die ganze Welt ist betroffen: Die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise haben nun auch die internationale Papierindustrie voll im Griff. Viele Unternehmen haben bereits erhebliche Restrukturierungen und Anpassungen vorgenommen. Man rechnet mit einem äußerst schwierigen Jahr 2009, das von weiteren Verbrauchsrückgängen in den Absatzmärkten geprägt sein wird.

Weniger Rückgang als in anderen Branchen

„Die Branche stemmt sich gegen die Krise“, erklärte der Präsident des Verbandes Deutscher Papierfabriken, Dr. Wolfgang Palm. Zwar dürfte der Rückgang geringer ausfallen als in vielen anderen Industriezweigen, denn die konsumnahen Verpackungs-, Hygiene- und grafischen Papiere sind von einer sinkenden Nachfrage eher wenig betroffen. Die Hygienepapiere sind ohnehin die einzigen, die noch deutliches Wachstum verzeichnen, aber schon bei den grafischen Papieren schlagen die Rückgänge an Auflagen und Umfang der Zeitungen und Zeitschriften durch. Bei den Verpackungspapieren macht sich die rückläufige Industrieproduktion als Hauptfaktor bemerkbar. Außerdem ist die Papierindustrie eine sehr kapitalintensive Branche. Insgesamt ist davon auszugehen, dass 2009 eine deutliche Anpassung der Produktionskapazitäten an die weltweit sinkende Nachfrage durch weitere Kurzarbeit und Produktionsstillstände bis hin zu Schließungen erfolgen wird. Bereits im vergangenen Jahr wurden allein in Deutschland Papiermaschinen entsprechend einer Kapazität von 600.000 Tonnen stillgelegt.

China spielt eine Hauptrolle

Erneut spielt der aufstrebende asiatische Raum, insbesondere China, eine Hauptrolle im Zusammenspiel der Entwicklungen auf dem internationalen Parkett. Es gibt keine Gesamtzahlen zur Papierproduktion in China, immerhin dem Ursprungsland des Papiers. Hier wurde das Papier erfunden, hier wird es nun auch mehr und mehr produziert. Während noch vor 15 bis 20 Jahren kleine alte Maschinen in Europa gekauft wurden, investiert China seit ungefähr zehn Jahren in moderne leistungsstarke Produktionslinien nach internationalen Standards. Dennoch übersteigen diese Investitionsmaßnahmen den – immer noch hohen – Verbrauchszuwachs im eigenen Land bei Weitem. Denn besonders nach den olympischen Spielen ist auch hier ein Abschwung in der Nachfrage zu verzeichnen. Mehrere Papierfabriken sind inzwischen geschlossen worden. Allerdings gab und gibt es in China Tausende winziger Papierfabriken, zumeist kleine Familienbetriebe, die umwelttechnisch eine Katastrophe sind und ohnehin nach und nach hätten geschlossen werden müssen.
Nichtsdestotrotz: Die chinesischen Überkapazitäten der Papierindustrie suchen sich ihren Weg ins Ausland. Zwar werden auch kleine Mengen nach Europa exportiert, doch vor allem sucht China sich neue Absatzmärkte in den umliegenden asiatischen Ländern. Allerdings waren auch diese Länder vorher versorgt: Mit europäischen Produkten. China taucht nun also vermehrt auf den Märkten auf, die vorher aus Europa beliefert wurden. Damit sind die europäischen Hersteller zwar nur indirekt, aber doch spürbar betroffen. Hinzu kommen die zahllosen Produkte, die – im Wellpappkarton verpackt – auf den europäischen Markt strömen. Diese Zahlen sind derzeit aber so gut wie gar nicht nachvollziehbar.

Europa bleibt wettbewerbsstark

Allein in Deutschland wurden in den Jahren von 2003 bis 2008 über fünf Milliarden Euro in die Papierindustrie investiert. Damit bleibt Deutschland auch im insgesamt gut aufgestellten Europa wettbewerbsstark. Weltweit werden für 2009 Verbrauchsrückgänge erwartet. Und auch wenn der Prozentsatz des Rückgangs deutlich kleiner ausfallen soll als in anderen Industriezweigen, so wird er doch seine Spuren hinterlassen. Aber niemand wagt konkrete Prognosen: Es wird sehr schwierig, das ist klar. Wie schwierig genau, das weiß oder sagt niemand. Die Schwankungen auf den internationalen Energiemärkten sind weitere Unsicherheitsfaktoren. Viele Unternehmen sind wegen der langfristigen Verträge erst in diesem Jahr von den hohen Preisen betroffen. Die Branche hofft auf eine Stabilisierung in den nächsten Monaten, auch wenn sie sich nicht auf einem hohen Niveau einpendeln wird. Man erwartet keine dramatischen Einbrüche mehr, da die Papierindustrie eine sehr konsumnahe Branche ist und der Konsum voraussichtlich nicht eklatant einbrechen wird.

Emissionshandel bereitet Sorgen

Weiterhin bereiten der Branche die noch ungeklärten Fragen des europäischen Emissionshandels große Sorgen. Nach wie vor ist nicht sicher, ob die Papierindustrie wegen Abwanderungsgefährdung ihre Emissionszertifikate auf Basis von Benchmarks kostenlos erhalten wird. Bis dahin gibt es auch keine Investitionssicherheit.
In Deutschland sank die Jahresproduktion an Papier, Karton und Pappe im Jahr 2008 um zwei Prozent auf 22,8 Millionen Tonnen und lag damit wieder auf dem Niveau des Jahres 2006. Allerdings ist die Produktion von 2001 bis 2007 jährlich durchschnittlich um 4,5 Prozent gestiegen. 2008 gab der Auslandsabsatz mit einem Minus von 1,8 Prozent stärker nach als die Inlandsnachfrage mit minus 0,5 Prozent.

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