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Altpapier-Markt steht weltweit unter Druck

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Altpapier-Markt steht weltweit unter Druck


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Die weltweite Finanzkrise bringt die Preise in den freien Fall. Auch beim Altpapier zeigen sich die Entwicklungen auf dem internationalen Markt sehr turbulent: Stornierungen in den Papierfabriken, volle Lagerräume, gedrosselte Produktion und ein nur schleppender Export belasten die Branche. Die Auftragslage bei den Herstellern von Pappe und Karton sowie der Preisdruck auf deren Neuprodukte führen zu Abstellmaßnahmen und steigenden Altpapierlagerbeständen bei Fabriken und Altpapierentsorgern.

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat auf die internationale Papierindustrie erhebliche Auswirkungen. Die Entwicklung auf den Märkten für Papier, Karton und Pappe ist von einer stark rückläufigen Nachfrage auf dem deutschen, den europäischen und den Weltmärkten gekennzeichnet. Längere Stillstandzeiten in zahlreichen Papierfabriken und eine damit verbundene abnehmende Nachfrage nach Altpapier sind die Folge. Die Geschwindigkeit der Marktveränderung sei ohne Beispiel und für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette nicht vorhersehbar gewesen, meldeten der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) und der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) in einer gemeinsamen Mitteilung.

Noch im ersten Halbjahr des Jahres 2007 hatte der Altpapierverbrauch in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erheblich zugenommen. Im ersten Halbjahr 2008 blieb der Markt dann stabil: In den Papierfabriken wurde exakt die gleiche Menge Altpapier wie im ersten Halbjahr 2007 verbraucht (7,84 Millionen Tonnen) – dann wendete sich das Blatt endgültig: Die Auftragslage bei den Herstellern von Pappe und Karton verschlechterte sich, der Preisdruck auf Neuprodukte wuchs und die Altpapierlagerbestände stiegen seither stetig. Die Entwicklung auf den Papiermärkten hat zu einem drastischen Wertverlust für den Sekundärrohstoff Altpapier geführt. Dies dürfe auf keinen Fall eine Gefährdung der insgesamt positiven politischen Rahmenbedingungen zum Papierrecycling und der Wertschöpfungskette nach sich ziehen, warnen die Verbände.

Wertvolles Altpapier

Altpapier besitzt von jeher einen Wert. Schon frühzeitig hat man altes Papier für die Herstellung neuer Papierprodukte eingesetzt. Dennoch wurde Altpapier bis in die 80-er Jahre überwiegend weggeworfen. Als klar wurde, dass die Deponiekapazitäten irgendwann erschöpft sein würden, setzte sich die Idee der Kreislaufwirtschaft durch. Diese Erkenntnis, Abfall als Wirtschaftsgut wieder zu verwenden oder zumindest zu verwerten, führte zu einem wirtschaftlichen Boom in der Branche: Bei zunehmend knappen Rohstoffen stieg die Nachfrage nach den Sekundärrohstoffen enorm an.

So ist – als ein Beispiel – die Wellpappeverpackung ein besonders umweltverträgliches Produkt, das in Deutschland zu nahezu 100 Prozent wiederverwertet wird. Heute bestehen mehr als 75 Prozent der Papiere zur Herstellung von Wellpappe aus recyceltem Altpapier. Als Einstoffverpackung wird die Wellpappe ohne zusätzlichen Trenn- und Sortieraufwand direkt in der Papierfabrik vorwiegend zu Rohpapier für neue Verpackungen verarbeitet. Durch besonders faserschonende Aufbereitungstechniken bleibt die hohe Qualität der Recyclingmaterialien für die vielfache Wiederverwertung erhalten. Nach den Einsatzzahlen des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) liegt – unterstützt durch den Import von Altpapier – die Recyclingquote bei über 100 Prozent, gemessen an der Jahresproduktion der deutschen Wellpappenindustrie.

Die Altpapierkrise ist global

„Selten kann man auf ein Jahr zurückblicken, in dem Licht und Schatten so nah beieinander liegen“, fasst der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Papierrecycling, Hubert Neuhaus, die Lage zusammen. „Gute Altpapiergeschäfte im ersten Halbjahr und ein Absturz des Marktes in der zweiten Jahreshälfte.“ Nach Einschätzung von Neuhaus besteht kein Zweifel, dass 2009 „eher stürmisches Wetter als eitel Sonnenschein“ bieten wird. Auf der anderen Seite sei er sicher, dass gerade diese schwierigen Zeiten zeigen werden, dass die Altpapier-Profis Erfahrung und Geschick hätten. „Es wird sich zeigen, dass unser Geschäft nicht von jedermann zu beherrschen ist!“ Im ZDF-Magazin Frontal 21 betonte Hubert Neuhaus: „Es ist eine andere Dimension geworden. Und wenn wir früher sagen konnten, die Wirtschaft wird sich wieder erholen, in drei Monaten oder in vier zieht das auch wieder an – dann können wir das im Moment nicht sagen, weil wir es nicht wissen.“ Die Altpapierkrise ist global.

Die aktuelle Finanzkrise wirkt sich immer mehr auch auf die Realwirtschaft aus. Die globalen Märkte verzeichnen vor dem Hintergrund der weltweiten Rezession deutliche Absatzrückgänge auf breiter Front; der in fast allen Branchen einsetzende Produktionsrückgang senkt den weltweiten Rohstoffbedarf ab. Das betrifft derzeit noch vor allem die Vermarktung von Sekundärrohstoffen – wie zum Beispiel das Altpapier. Seit Jahren wird weltweit fast genauso viel Altpapier wie Zellstoff in der Papierindustrie eingesetzt, Altpapier ersetzt also zunehmend die Primärfaser als Rohstoff. Damit ist Altpapier längst eine zentrale Ressource der Papierindustrie.

Im Juni vergangenen Jahres konnte auf dem Altpapierkongress des BDE (Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft) noch festgestellt werden, dass Europa und Asien die Hauptabnehmer für Altpapier sind, während die Hauptlieferanten die USA, Europa und Japan waren. Die Nachfrage nach Altpapier in Asien hatte sich in den letzten 16 Jahren nahezu verdreifacht, während sich die Neupapierproduktion im gleichen Zeitraum verdoppelte. 2006 hatte Asien 40 Prozent der Gesamtnachfrage an Altpapier – aktuell haben Abnehmer wie China oder Indonesien den Einkauf im Zuge der Finanzkrise nahezu eingestellt.

Auch zum Beispiel auf dem schweizerischen Altpapiermarkt herrscht derzeit eine große Krise. Der Altpapierhandel muss bezahlen, um seine Ware bei den Papierfabriken überhaupt noch los zu werden, meldete der Verband Stahl-, Metall- und Papierrecycling Schweiz (VSMR) Ende letzten Jahres. Bereits im November seien die Preise für gemischte Papierabfälle an einem Tiefpunkt angelangt, an dem ohne Zuzahlung durch die Lieferanten die Kosten für Transport und Verarbeitung nicht mehr gedeckt werden konnten. Auch qualitativ hochwertige Sorten seien vom negativen Preistrend betroffen. Als Gründe für die kritische Situation wurden ebenfalls die Finanzkrise und die wirtschaftliche Zurückhaltung in Hinblick auf eine sich ankündigende Rezession genannt.

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