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Kampfansage an Plagiate
Produkt- und Markenpiraterie ist ein Milliardengeschäft - im negativen Sinne. Nach Angaben der EU sind rund zehn Prozent des Welthandels betroffen. Die Schäden belaufen sich auf 200 bis 300 Milliarden Euro jährlich, schätzen internationale Experten. Tendenz: steigend.
Produkt- und Markenpiraterie gehört weltweit zu den gravierendsten Formen von Wirtschaftskriminalität. Das Spektrum der gefälschten Produkte reicht von Teilen in Originalqualität zum günstigeren Preis bis hin zu Fälschungen in minderwertiger Qualität, die echte Sicherheitsrisiken bergen. Das gilt beispielsweise für sicherheitsrelevante Maschinen-, Kraftfahrzeug- oder Flugzeugteile und Pharma-Produkte. Zudem wächst der Trend, dass zunehmend komplette Maschinen nachgebaut werden. Neben dieser Bedrohung gehören natürlich direkte Gewinn- und Umsatzverluste, aber auch Imageschädigungen und nicht zuletzt die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu den dramatischsten Konsequenzen. Im gesamteuropäischen Raum sollen insgesamt 300.000 Arbeitsplätze betroffen sein.
Ein großes Problem ist, dass Patente nur national erteilt werden. Es gibt weder ein für die EU, noch ein weltweit geltendes Patentrecht. In den meisten Ländern ist der einfache Nachbau erlaubt bzw. nur dann verboten, wenn unlautere Schritte im Wettbewerb hinzukommen.
Großer Handlungsbedarf
Den Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie nehmen weltweit immer mehr Institutionen, Verbände und Unternehmen auf. "Das Internet macht vieles transparenter, so auch die Verletzung von Schutzrechten", so Marc Wiesner, Experte für Produktpiraterie in der Abteilung Recht im VDMA. Die Fälscher kopieren inzwischen nicht mehr nur die Ideen und Produkte der Originalhersteller, sondern können auch relativ problemlos deren Fotos und Prospekte verwenden. Auf der anderen Seite können Unternehmen illegale Nachahmungen, die im Internet angeboten werden, deutlich schneller identifizieren.
Der VDMA veröffentlichte jüngst die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter seinen Mitgliedsfirmen zur Produkt- und Markenpiraterie. Im Durchschnitt sei mehr als jedes zweite Unternehmen betroffen. Den Angaben zufolge werden 71 Prozent der Plagiate in Asien vertrieben, 37 Prozent in Amerika und Europa. Bei den Ländern steht China (68%) an der Spitze. Es folgen Deutschland, Indien und die USA mit jeweils 21 Prozent. Die meisten Unternehmen wurden durch Hinweise ihrer Kunden aufmerksam oder sie erkannten die Plagiate auf Messen oder durch eigene Marktkenntnisse. 16 Prozent der VDMA-Mitglieder wurden durch einen entsprechenden Rückgang im Absatz aufmerksam. Die am meisten betroffene Branche ist der Anlagenbau. Dabei ist eine starke Steigerung bei Komponenten und Ersatzteilen festzustellen. Das erklärt der VDMA mit den derzeit geringeren Umsätzen beim Verkauf ganzer Maschinen und mit dem größer werdenden Einsatz von integrierten Schutzmaßnahmen gegen die Produktpiraterie.
Inzwischen trifft fast jedes Unternehmen Schutzmaßnahmen, auch wenn es selber noch nicht betroffen ist. Diese reichen von der Anmeldung von gewerblichen Schutzrechten wie Patenten oder Marken über die sorgfältige Auswahl der Kooperationspartner und strikte Geheimhaltung bis hin zum technischen Kopierschutz. Das am häufigsten eingesetzte technische Schutzmerkmal ist die Produktkennzeichnung, und auch die Investitionen in Maßnahmen der Produktüberwachung und -verfolgung steigen. Allerdings werden die am Markt vorhandenen Möglichkeiten häufig noch als unzureichend betrachtet. Für eine erfolgreiche Sicherheitstechnologie stehen Aspekte wie die Eindeutigkeit des Originals, die Fälschungssicherheit und deren Beständigkeit während des kompletten Produktlebenszyklus, aber natürlich auch die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen im Mittelpunkt.
Im Fokus
Mit der im Jahr 2007 gegründeten Kampagne "Pro-Original" startete der VDMA seine breit angelegten Strategien gegen Produktpiraterie. Inzwischen kamen die Forschungsoffensive "Innovationen gegen Produktpiraterie" und eine Arbeitsgemeinschaft "Produkt- und Know-how-Schutz" hinzu. Dabei stehen sechs Bereiche im Fokus: Produktkennzeichnung und -schutz, die Detektion und Authentifizierung geschützter Produkte, Tracking- und Tracingsysteme, Embedded Security in industriellen Produkten und Systemen, technischer Schutz vor unerwünschtem Know-how-Transfer sowie Engineering und Beratung.
K kontrolliert
Für die bevorstehende K 2010, die weltweit größte Messe für Kunststoff und Kautschuk, werden scharfe Kontrollen angekündigt. Die Überprüfung der auf der Messe ausgestellten Maschinen hinsichtlich der Konformität mit den Bestimmungen der EG-Maschinenrichtlinie und auf CE-Schutzbestimmungen soll neue Wege im Kampf gegen Plagiate eröffnen.










