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Openhagen
Alles ist offen. So das Resumée vieler nach dem Klimagipfel in Kopenhagen, auf dem so viele Hoffnungen ruhten. Die Enttäuschung ist groß, eine Kompromiss-Lösung das einzige Ergebnis. Nicht umsonst wurde „Kopenhagen“ in den Medien zu „Openhagen“. Welche Konsequenzen hat der offene Ausgang der Klimakonferenz? Und was bedeutet das konkret für die internationale Verpackungsindustrie?
Kopenhagen, 7. bis 18. Dezember 2009. Internationaler Klimagipfel. Der Medienrummel ist riesig, die Hoffnungen groß und die Erwartungen niedrig. Vertreter aus 194 Nationen wollten ein Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll verhandeln – und beschließen. Es heißt, dass über 40.000 Menschen für das gigantische Ereignis in die dänische Hauptstadt reisten. Staatschefs gaben sich zuversichtlich, während Klimaexperten und Umweltorganisationen skeptisch waren. Zu Recht, wie sich zeigte: Der Klimagipfel gilt als gescheitert.
Der Minimalkonsens
Das ursprüngliche Ziel war, die Kernelemente für ein neues Klimaabkommen verbindlich zu entscheiden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Aus Sicht der EU hätte die Konferenz mit einem neuen rechtlichen Abkommen beendet werden sollen, das an die 2012 endende erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls anschließen sollte. Im zweiten Schritt ging es darum, wenigstens ein politisches Übereinkommen zu schließen, das die wichtigsten Elemente eines neuen Abkommens definiert. In den letzten beiden Verhandlungstagen entwickelte eine Gruppe repräsentativ ausgewählter Staats- und Regierungschefs den „Copenhagen Accord“: eine politische Erklärung, die bislang aber auch nur die beteiligten Staaten bindet. Definiert wurden hier einige Kernbausteine der zukünftigen internationalen Klimapolitik. Das Plenum der Klimakonferenz, die Versammlung aller 194 Mitgliedsstaaten der Klimakonvention, hat den Text zur Kenntnis genommen und als Grundlage in den Verhandlungsprozess eingeführt. Das Papier erhielt jedoch nicht von allen Staaten die Zustimmung. Aber die Industrieländer und die große Mehrheit der Entwicklungsländer unterstützt die Annahme dieser Kopenhagen-Vereinbarung. Im Vergleich zu den vorher von der EU formulierten Zielen ist dieses Ergebnis ein Minimalkonsens vor allem zwischen den USA, China, Indien, Brasilien und Südafrika. Und die Alternative wäre nur noch gar kein Abschluss gewesen.
Die Inhalte
Im „Copenhagen Accord“ bekennen sich alle unterstützenden Staaten zu dem Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf unter zwei Grad zu begrenzen. Die Industrieländer verpflichten sich zu wirtschaftsweiten Reduktionszielen bis zum Jahr 2020, eine Überprüfung der Fortschritte erfolgt 2015. Die Entwicklungsländer sagen freiwillige selbstfinanzierte Klimaschutzmaßnahmen zu und verpflichten sich, vor den Industrieländern Rechenschaft abzulegen. Außerdem stellen die Industrieländer für die Zeit von 2010 bis 2012 bis zu 30 Milliarden US-Dollar für den Klimaschutz in Entwicklungsländern zur Verfügung. Für 2020 wird vereinbart, jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen zu mobilisieren. Ein Großteil dieser Gelder soll über einen noch zu gründenden „Copenhagen Green Fund“ fließen. Zusätzlich sollen ein „Technologie Mechanismus“ und ein „REED Mechanismus“ eingerichtet werden, die die Entwicklungsländer darüber hinaus unterstützen sollen.
Was nun?
Um den Temperaturanstieg unter zwei Grad zu halten und so die schlimmsten Folgen eines Klimawandels zu verhindern, wird eine weitgehend treibhausgasfreie Wirtschaftsweise nötig. Global muss der Ausstoß um mehr als die Hälfte reduziert werden. Dabei liegen die notwendigen Minderungen in den Industrieländern bis 2050 bei 80 bis 95 Prozent. Die Trendwende muss spätestens 2020 erreicht sein. Das wiederum bedeutet, dass die Industrieländer bis 2020 ihre Emissionen um 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken müssen. Um das zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssen aber auch die Entwicklungsländer ihre Emissionen um 15 bis 30 Prozent senken.
Doch was bedeuten diese Zahlen und Vereinbarungen konkret? Was heißt das für die Weltwirtschaft? Und für das einzelne Unternehmen? Welche Folgen konkret zu erwarten sind, bleibt im Dunkeln. Welt.online schreibt dazu, dass die CO2-Emissionen untrennbar mit der Existenz von Milliarden Menschen verknüpft sind und fragt: „Was wäre gewonnen, wenn der Klimaanstieg begrenzt wäre und das menschliche Wirtschaften und Leben würde bei dieser Rettung ruiniert?“ Würde man versuchen, die Welt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu versorgen, kostete das nach einer kürzlich veröffentlichten Berechnung 100.000 Milliarden US-Dollar. Den abstrakten Zielvorgaben der Klimapolitik stehen also klare existenzielle Grenzen gegenüber.
Verpackungen als Klimaschützer
Inzwischen dürfte es wohl an keinem Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie mehr vorbei gegangen sein, dass Handlungsbedarf für jeden besteht. Wie viele andere Industriezweige hat auch die internationale Verpackungsindustrie längst reagiert. Minderung des CO2-Ausstoßes, Angabe des CO2-Fußabdrucks, Nachhaltigkeit, etc.: Das sind die Stichworte unserer Zeit und stehen wohl bei nahezu allen Verpackungsherstellern ganz oben auf der Agenda. „Klimafreundliche“ Packmittel und Prozesse sind zweifellos die Zukunft. Ob Papier, Pappe, (Bio-)Kunststoffe, Metall oder Glas – alle Packstoffhersteller setzen auf Recyclingfähigkeit, den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und veröffentlichen sehenswerte Ökobilanzen. Sicher ist es jetzt eine große Chance, dass gerade die Verpackungsindustrie schon seit Jahren gewohnt ist, ihren Beitrag zum Umwelt- und damit auch zum Klimaschutz zu leisten. Das gilt für die Herstellung von Packmitteln und Packhilfsmitteln genauso wie für alle anderen verpackungsrelevanten Prozesse von der Automatisierung bis hin zur Wäge- und Abfülltechnik sowie für alle Teilnehmer der Supply Chain. Und bis es konkrete Handlungsvorschriften gibt, bleibt den Unternehmen wohl nichts übrig, als diesen guten Weg erst einmal weiterzugehen – wohin auch immer er führt.
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