Verpackungsmarkt bleibt wichtiger Industriezweig. Foto: Messe Düsseldorf

Verpackungsmarkt bleibt wichtiger Industriezweig. Foto: Messe Düsseldorf

Verpackungsmarkt wächst weiter

Gesellschaftlicher Wandel erfordert Umdenken

Internationale Marktforschungsstudien prophezeien der globalen Verpackungsindustrie bis ins Jahr 2020 steigende Umsatzzahlen. Allerdings befindet sich die Branche laut Expertenmeinungen gleichzeitig im Wandel. Veränderte demografische Bedingungen, neu formulierte Ansprüche der Kunden, steigende Kaufkraft in Schwellenländern sowie die vermehrte Nutzung technischer Möglichkeiten führen nach Ansicht vieler Kenner zu einem Umdenken bezüglich der Verpackungsmaterialien und Herstellungsprozesse.
Seit 2015 gilt China als größter nationaler Markt für Papierverpackungen. Mit beinahe 25 Prozent des weltweiten Verbrauchs hat das Land die USA auf Rang 2 verwiesen. Foto: VDP

Seit 2015 gilt China als größter nationaler Markt für Papierverpackungen. Mit beinahe 25 Prozent des weltweiten Verbrauchs hat das Land die USA auf Rang 2 verwiesen. Foto: VDP

Ausblick bis 2020

Während der deutsche Verpackungsmarkt sich zwischen 2014 und 2015 nach offiziellen Zahlen des Gemeinschaftsausschusses Deutscher Verpackungshersteller kaum verändert hat, sollen innerhalb der kommenden Jahre innovative Verpackungsmethoden hierzulande für einen Boom in der Branche sorgen. Vor allem aber in der weltweiten Gesamtbetrachtung gilt als sicher, dass dem Industriezweig einschneidende und gleichzeitig wachstumsbringende Veränderungen bevorstehen.
Die Nachfrage nach Aluminium soll zunehmen: Vor allem Spraydosen werden im Körperpflegebereich, aber auch im Haushalt und in der Automobilindustrie vermehrt genutzt.  Foto: Henkel

Die Nachfrage nach Aluminium soll zunehmen: Vor allem Spraydosen werden im Körperpflegebereich, aber auch im Haushalt und in der Automobilindustrie vermehrt genutzt. Foto: Henkel

Kundenansprüche und Verpackungslösungen

Convenience, Nachhaltigkeit, Flexibilität, aber auch Effizienz, Fälschungssicherheit und Rückverfolgbarkeit werden bei den Vorausschauen in einem Atemzug mit geringen Kosten genannt. Denn, so sehen die Ansprüche der modernen Verbraucher aus. Und sie sollen erfüllt werden. Auch die sogenannte vierte industrielle Revolution bahnt sich ihren Weg in den Alltag der Weltbevölkerung. Intelligente und modulare Softwaresysteme der digital vernetzten Industrie 4.0 sorgen unter anderem für Transparenz, Sicherheit und Reproduzierbarkeit automatisierter Produktionsabläufe. Zudem sollen mehrschichtige Verpackungen aus unterschiedlichen Materialmixen weltweit an Bedeutung gewinnen. Bei den Pharmaverpackungen werden besonders solche mit Dosierhilfen profitieren und damit auf die speziellen Bedürfnisse der alternden Bevölkerung eingehen, so die Annahmen. Vor allem afrikanische Nationen, der Mittlere Osten sowie der asiatische Raum bergen laut Verpackungsfachwelt ein bedeutendes Wachstumspotenzial. Die Länder China und Indien sollen den Angaben folgend gemeinsam rund 30 Prozent des globalen Folienmarktes besitzen.
Nicht nur der Markt für Kunststofffolien soll profitieren, auch für Deckel aus Polymerverbindungen sehen Experten ein Wachstum, das auf bis zu 4,9 % pro Jahr geschätzt wird. Foto: Mako Plastics ltd.

Nicht nur der Markt für Kunststofffolien soll profitieren, auch für Deckel aus Polymerverbindungen sehen Experten ein Wachstum, das auf bis zu 4,9 % pro Jahr geschätzt wird. Foto: Mako Plastics ltd.

Das Marktforschungsinstitut Mintel sieht die globale Verpackungsindustrie in Zukunft mit sechs Schlüsseltrends konfrontiert:
  • Digitale Evolution durch digital print
  • Kundenbindung durch Transparenz
  • Funktionalität am POS
  • Nachhaltigkeit als Markenimage
  • Kundenspezifische Verpackungsgrößen
  • Einfacher Informationszugriff durch Scan-Codes und spezifische mobile Apps
Auch der Markt für Biokunststoffe soll zunehmen; in Europa liegen die Prognosen bei über 5 % jährlich. Ein Beispiel: Coca-Cola plant, in weiteren guten drei Jahren ausschließlich Flaschen aus nachwach

Auch der Markt für Biokunststoffe soll zunehmen; in Europa liegen die Prognosen bei über 5 % jährlich. Ein Beispiel: Coca-Cola plant, in weiteren guten drei Jahren ausschließlich Flaschen aus nachwachsenden Rohstoffen zu vertreiben. Foto: The Coca-Cola Company

Gewinner und Verlierer

Die Auswertung des Berichtes ‚The Future of Global Packaging to 2020‘ von Smithers Pira ergibt ein durchschnittliches Jahreswachstum in der weltweiten Verpackungsindustrie von 3,5 Prozent innerhalb der kommenden vier Jahre. In erster Linie erfahren danach flexible Materialien einen Aufschwung, allen voran mehrlagige Kunststoffe, die bei geringer Foliendicke verbesserte Barriereeigenschaften im Bereich der Lebensmittelverpackungen aufweisen. Aber, auch Pappkartons sollen ihren im Jahr 2015 angegebenen Wert von 261 Billionen US-Dollar überholen. Ein Grund für den Erfolg der Kartonagen liegt in der hohen Anzahl von Rücksendungen bei Onlinebestellungen.
Verpackungen im Kosmetiksektor sollen global bis zum Jahr 2020 um rund 5 % steigen. Foto: Beaty Cosmetic Co. ,Ltd.

Verpackungen im Kosmetiksektor sollen global bis zum Jahr 2020 um rund 5 % steigen. Foto: Beaty Cosmetic Co. ,Ltd.

Die Nachfrage nach Aluminium soll ebenfalls steigen: Vor allem Spraydosen werden im Körperpflegebereich, aber auch im Haushalt und in der Automobilindustrie vermehrt genutzt. Trotz dieser Zahlen haben Konzerne sich Materialeinsparungen zum Ziel gesetzt. Unilever hat beispielsweise die Menge des eingesetzten Aluminiums in den letzten drei Jahren aufgrund der Einführung seiner ‚compressed can‘ um 24 Tonnen reduzieren können. Die Deodorants sind nur noch halb so groß wie ihre Vorgänger, bieten aber den gleichen Schutz wie die großen Exemplare.
Für das Anwendungssegment Hartplastik erwarten die Fachleute einen Anstieg von fast 4,5 % pro Jahr. Foto: continental-corporation

Für das Anwendungssegment Hartplastik erwarten die Fachleute einen Anstieg von fast 4,5 % pro Jahr. Foto: continental-corporation

Auch Ceresana hat seine Experten ins Rennen geschickt. Das Ergebnis: Die Marktforscher erwarten einen weltweiten Verbrauch von Kunststofffolien von rund 70 Millionen Tonnen im Jahr 2020. To-Go-Produkte im Lebensmittelsegment, aber auch flexible Folienverpackungen im Non-Food-Bereich erweisen sich als besonders verbraucherfreundlich. Standbodenbeutel aus Polyethylen führen die europäische Liste von Beuteln, Säcken und Tüten an. Gerechnet wird mit einem Gesamtabsatz von mehr als neun Millionen Tonnen dieser Verpackungsarten. Gleich dahinter folgen Kunststofffolien mit einem Zuwachs von durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr. Selbst Deckel und Verschlüsse werden zunehmend aus Kunststoff produziert und verdrängen klassische Materialien wie Weißblech oder auch Kork. Im Jahr 2014 wurden europaweit mehr als 200 Milliarden Kunststoffverschlüsse verkauft – das entspricht gut 60 Milliarden mehr als im Jahr 2010 und einem Umsatz von fast zwei Milliarden Euro.
Hartplastik soll den Experten zufolge zunehmend Metalldosen und Glasflaschen verdrängen. Die angegeben Gründe sind der geringere Materialeinsatz, reduzierte Kosten und weniger Kohlendioxid-Emissionen beim Transport.
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