Verpackungen mit Durchblick

Big brother ist watching you

 © dailymail.co.uk

Allein der Aufdruck offener Augen auf Plakaten oder Werbeflyern vermindert die Bereitschaft, Abfall auf der Straße zu entsorgen. Auch die Anzahl von Fahrraddiebstählen konnte durch entsprechende Bildhinweise reduziert werden. © dailymail.co.uk

Coffee to go-Becher, leere Plastikschalen vom Fertiglunch, Einwickelpapier von Kaugummi und Schokoriegel: Viele Verpackungen für unterwegs landen in der Umwelt und nicht im Abfalleimer. Eine britische Studie hat kürzlich untersucht, wie sich Verpackungen und Plakate, die mit offenen Augen bedruckt wurden, auf das Verhalten der Verbraucher dahin gehend auswirken. Ergebnis: Die Wegwerfbereitschaft der Passanten sank um gut zwei Drittel.

Wie Verpackungen Verhalten beeinflussen

Untersuchungen der Universität Newcastle stellen Darstellung jedweder Form von Beobachtung auf Verpackungen für eine simple, aber effektive Strategie gegen Littering vor. © Newcastle University

Untersuchungen der Universität Newcastle stellen Darstellung jedweder Form von Beobachtung auf Verpackungen für eine simple, aber effektive Strategie gegen Littering vor. © Newcastle University

Durchgeführt wurde das aktuelle Experiment von der ‚Newcastle Universität’ in England. Zwei Reklamezettel dienten der Forschungsgruppe als Grundlage für ihr Projekt. Während auf dem einen ein kaum erkennbares Gesicht abgedruckt war, blickten vom anderen zwei große Augen direkt in die der Betrachter. Die gefühlte Beobachtung der Probanden führte dazu, dass nur knapp fünf Prozent die Flyer sorglos fallen ließen, das Blatt mit dem schlecht erkennbaren Gesicht wurde hingegen von über 15 Prozent direkt entsorgt.

Das Fazit deckt sich mit früheren Studien, die unter anderem von Experten des ‚Centre for Behaviour and Evolution’ durchgeführt wurden. Untersucht wurde damals über einen Zeitraum von zwei Jahren, inwieweit sich Plakate mit klaren Botschaften und Blicken auf Diebstahlraten von Fahrrädern auswirkten. An den Fahrradparkanlagen mit Warnposter sanken die Diebstähle in dem Zeitraum um 62 Prozent. Allerdings stieg die Quote an unverändert gelassenen Fahrradparkplätzen hingegen um 63 Prozent. Das kriminelle Verhalten wurde demnach nicht verhindert, sondern lediglich verlagert.

Die Experimente basieren auf der sogenannten 'nudge psychology', nach der sich Personen weniger durch direkte Verbote als vielmehr subtile Einflüsse zu bestimmten Verhaltensweisen verleiten lassen. Auch Mitarbeiter der Abteilung Umweltwissenschaften der ETH Zürich bestätigen nach zahlreichen Versuchen in Schwimmbädern, Fußballstadien und anderen öffentlichen Räumen, dass die Hemmschwelle der sofortigen Müllentsorgung sinkt, fühlen sich die Personen beobachtet. Dass Bilder eine höhere Wirkung auf sozialkonformes Verhalten ausüben als direkte Verbote, führen Psychologen auf die Abneigung gegen Bevormundung jedweder Art zurück. Auch sozial schwache Gruppen wie leseunkundige oder fremdsprachige Personen werden mit bildlichen Darstellungen besser erreicht als mit schriftlichen Warnhinweisen. Bei der aktuellen Studie wollen es die Forscher nicht belassen: In naher Zukunft soll untersucht werden, welchen Effekt entsprechend bedruckte Verpackungen von Fast-Food-Anbietern auf Verbraucher haben und ob die Größe der abgebildeten Augen eine Rolle spielt.

Littering - ein globales Thema

Health Poster 'Put your litter in its proper place' von Archives New Zealand / Flickr.com

Eine direkte Aufforderung zur korrekten Müllentsorgung ist weniger erfolgreich als subtile Methoden mit beispielsweise durchblickenden Augen. Fühlen sich Verbraucher bevormundet, reagieren sie oftmals rebellisch.
Archives New Zealand / Flickr.com

Mehr als 60 Prozent aller befragten Briten geben zu, gelegentlich Abfall auf die Straße zu werfen. Doch obgleich das Königreich damit führend ist im weltweiten Vergleich, können sich andere Länder nicht rühmen. Durchschnittlich rund 250 Millionen Tonnen Müll landen in den USA jährlich auf der Straße statt im Abfalleimer, und in Deutschland und Singapur konnte das Problem nur durch Gesetzesvorgaben reduziert werden. Jeder Hausbesitzer in Deutschland muss Bürgersteig und Straße vor seiner Immobilie sauber halten – ob von Schnee oder Abfall. Singapur geht noch einen Schritt weiter und verurteilt die Vergehen in der Regel mit Sozialarbeit.

Wussten Sie schon, dass...

  • ... Autofahrer für mehr als die Hälfte des Litteringproblems in den Staaten verantwortlich zeichnen? 52 Milliarden Objekte aus Aluminium Papier, Kunststoff und anderen Materialien landen pro Jahr auf US-amerikanischen Highways.

  • ... sich Zigarettenstummel und Fast-Food-Verpackungen den ersten Platz unter einfach weggeworfenem Müll teilen? Mit Abstand folgen Kartons, Zeitungen und Plastik.

  • ... ältere Menschen ab 45 Jahren häufiger auf einen Mülleimer warten als jüngere Jahrgänge?

  • ... eine Person im Durchschnitt zwölf Schritte geht, bevor sie den Müll fallen lässt?
Group Of Volunteers Tidying Up Rubbish On Beach © Monkey Business / fotolia.com

4.000 Kerzen, 236 Zahnbürsten, 117 Matratzen: Das sind die Hinterlassenschaften, die bei Aufräumarbeiten an Stränden der Pazifikküste gefunden wurden. © Monkey Business / fotolia.com

Littering belastet nicht nur die Umwelt, sondern kostet den Staat auch Geld: Unter Einbeziehung der resultierenden Wasserverschmutzung, dem Rückgang von Grundstückspreisen und medizinischer Hilfe für entstehende Krankheiten beziffern konservative Schätzungen in Großbritannien die jährlichen finanziellen Einbußen auf 300 Milliarden Pfund.
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