Die alte Verpackung mit noch dezentem Warnhinweis in Wort, aber ohne Bild. Im Vorfeld der neuen Verpackungsrichtlinie wurde um jeden Millimeter gefeilscht. Foto: Björn Wylezich / fotolia.com

Die alte Verpackung mit noch dezentem Warnhinweis in Wort, aber ohne Bild. Im Vorfeld der neuen Verpackungsrichtlinie wurde um jeden Millimeter gefeilscht. Aus ursprünglich 75 sind 65 Prozent mit Warnhinweisen und Schockbildern geworden. Foto: Björn Wylezich / fotolia.com

Shocking Packaging - EU-Tabakrichtlinie beschränkt Design von Zigarettenverpackungen

 Abschreckung durch Gruselbilder.  Seit dem 20. Mai 2016 dürfen in Deutschland nur noch Zigaretten und Feinschnitterzeugnisse mit großflächigen Schockbildern und Warnhinweisen auf der Verpackung hergestellt werden. Zahlreiche Schachteln wurden daher seit Monaten vorproduziert; im 1. Quartal 2016 waren es ganze 22 Prozent mehr, die versteuert wurden, als im Jahr zuvor. Die Hersteller wollen damit die Regale mit alten Verpackungen ohne Schockwirkung füllen und die Übergangsfrist von einem Jahr bestmöglich nutzen, bis nur noch neue Schachteln verkauft werden dürfen.
Noch ein gewohntes Bild an der Kasse mit Tabakverpackungen ohne Gruselbild: Die Tabakindustrie hat fleißig vorproduziert und so werden die neuen Verpackungen in Deutschland wohl erst im Laufe des Jahr

Noch ein gewohntes Bild an der Kasse mit Tabakverpackungen ohne Gruselbild: Die Tabakindustrie hat fleißig vorproduziert und so werden die neuen Verpackungen in Deutschland wohl erst im Laufe des Jahres in den Regalen zu sehen sein. Foto: oneblink1 / fotolia.com

Die entsprechende neue Tabakrichtlinie wurde bereits im Mai 2014 verabschiedet. Bis zuletzt haben führende Verbände der Tabakwirtschaft versucht, eine Fristverlängerung um ein Jahr zu erkämpfen, sind jedoch am Ende mit ihrem Vorhaben gescheitert. Produktionsumstellungen seien kurzfristig für viele Hersteller technisch schwierig umzusetzen und erhebliche Marktverzerrungen sowie der Verlust von Arbeitsplätzen seien zu erwarten, argumentiert der deutsche Zigarettenverband. Zudem befürchten die Mitglieder, dass das neue Gesetz allein zum Vorteil des multinationalen Marktführers Philip Morris und zum Nachteil kleinerer und mittelständischer Unternehmen führen wird.

Zum Schutz vor allem von jungen Menschen werden zusätzlich zu den großflächigen Warnhinweisen und Schockbildern auch kleine Verpackungsgrößen für bestimmte Tabakwaren verboten. Um Fälschungen vorzubeugen, müssen Zigarettenpackungen ab 2019 besondere Erkennungs- und Sicherheitsmerkmale tragen.
Die Zigarettenverkäufe sinken. Werbeverbote, Warnhinweise und Steuererhöhungen setzen die Tabakindustrie unter Druck. Das Geschäft läuft jedoch blendend.  Foto: graja / fotolia.com

Die Zigarettenverkäufe sinken. Werbeverbote, Warnhinweise und Steuererhöhungen setzen die Tabakindustrie unter Druck. Das Geschäft läuft jedoch blendend. Höhere Preise, neue Märkte und Produktentwicklungen lassen die Raucherindustrie optimistisch bleiben. Foto: graja / fotolia.com

Reduktion beim Design

Einige Zigarettenmarken hatten sich bereits frühzeitig auf die veränderten Verpackungsvorgaben eingestellt. Das Design der berühmten Malboro-Zigarettenschachtel wurde im Jahr 2014 von einer französischen Agentur überarbeitet mit dem Wissen, das in Frankreich seit 2011 bis zu 50 Prozent der Verpackung mit Gesundheitshinweisen beschriftet sein müssen. Der Wiedererkennungswert der Marke Malboro ist so stark, dass Philip Morris sich entschlossen hatte, nur noch auf das rot-weiße Design mit dem Dreieck zu setzten und den Schriftzug selbst nur oben auf der Klappe aufzubringen. Für die gesamte Produktfamilie wird das obere Viertel der Verpackung entsprechend in Gold, Blau und Grün eingefärbt.
Am 31. Mai ist Welt-Nichtraucher-Tag: 2016 steht er unter dem Motto "Get ready for plain packaging - Mach Dich bereit für die Einheitspackung". Foto: REDSTARSTUDIO / fotolia.com.

Am 31. Mai ist Welt-Nichtraucher-Tag: 2016 steht er unter dem Motto "Get ready for plain packaging - Mach Dich bereit für die Einheitspackung". Foto: REDSTARSTUDIO / fotolia.com.

Furcht vor ‚Einheitsverpackung

Die neuen Vorgaben in der EU könnten nur der Anfang gewesen sein. Zunehmende Forderungen nach Einheitsverpackungen für Zigaretten ohne Logo und ohne Firmenfarben, wie es sie bereits in Australien gibt, könnten die Industrie auch in Deutschland in Bedrängnis bringen. Eine Einführung der Mono-Packung in Frankreich und Großbritannien ist bereits beschlossen. Und auch, was die Zigarettenwerbung angeht, wird sich ab 2020 in Deutschland einiges ändern. Ab dann ist dort die Außenwerbung für Tabakprodukte verboten. Bisher war Deutschland neben Bulgarien das einzige Land in der EU, in dem diese Form der Werbung noch gestattet war.

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