Andreas Steinle: "Smarte Öko-Verpackungen – die Megatrends 2025"

Foto: Andreas Steinle

Interview mit Andreas Steinle

Wissen Sie schon, was Sie nächste Woche kaufen? Oder in einem Jahr essen? Oder wie die Verpackung Ihres Lieblingsprodukts in zehn Jahren aussieht? Andreas Steinle schon. Denn er lebt und arbeitet in der Zukunft. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern von der Zukunftsinstitut Workshop GmbH ermittelt der studierte Kommunikationswirt seit 20 Jahren, welche Trends auf den Markt zukommen.

Mit uns spricht Andreas Steinle über die Verpackungstrends von morgen, was die nächste Verpackungsgeneration prägt und welche Rolle Smart Packaging in Zukunft spielt.

Herr Steinle, von Berufswegen schauen Sie seit Jahren ganz genau hin, wenn es um Entwicklungen geht. Wie hat sich unser Umgang mit Verpackungen in den letzten Jahren verändert?

Die Ästhetik – und damit Emotion – rückt bei Verpackungen immer stärker in den Vordergrund, und spielen beim Warenkonsum eine immer entscheidendere Rolle. In einer komplexen Welt gilt das umso mehr, denn es spart Zeit, wenn der Bauch und nicht der Kopf entscheidet.

Was bedeutet das konkret für die Verpackung von morgen, vor welche Herausforderungen stellt sie das?

Am Point of Sale muss die Verpackung mit dem Kunden in einen Dialog treten. Nicht aufdringlich, sondern Interesse weckend. Dafür brauchen Verpackungen eine größere kommunikative Intelligenz.

Grafik: Top 3
Grafik: Smart Packages

Ein Beispiel für kommunikative Intelligenz sind sogenannte Smart Packages, die mithilfe von Sensoren und Microchips auf ihr Umfeld reagieren. In welcher Branche ist der Einsatz solcher Verpackungen Ihrer Meinung nach am vielversprechendsten?

Die sinnvollsten Anwendungen gibt es zweifellos in der Medizin. Ein großer Teil der Medikamente wird falsch eingenommen, weil die Patienten den richtigen Zeitpunkt und die richtige Menge vergessen. Darüber werden in Zukunft die Verpackungen wachen. Ebenso können sie Warnsignale geben, wenn sich im Medizinschrank zwei Arzneien befinden, die miteinander nicht verträglich sind.

Eine entscheidende Entwicklung der letzten Jahre ist, dass wir immer mehr on the go konsumieren. Welche Herausforderungen lassen sich daraus für die Verpackung von morgen anleiten?

Produkte müssen 24 Stunden überall verfügbar sein. Damit kommt der Auslieferung über Transportdienste und Drohnen in Zukunft eine große Rolle zu. Die Stabilität der Verpackung wird daher wichtiger – insbesondere, wenn Produkte von Drohnen aus geringer Höhe abgeworfen werden. Darüber hinaus werden die Produkte und damit die Verpackungen kleiner und auf den einmaligen, schnellen Gebrauch hin optimiert.

Sie sprechen davon, was Verpackungen künftig alles aushalten müssen. Bedeutet das, dass wir sie mit Samthandschuhen anfassen müssen?

Eine Glasflasche sollte man nicht aus dem ersten Stock werfen. Ähnliches wird für Verpackungen mit eingebauten Sensoren gelten. Den normalen Alltagsgebrauch steckt diese Technologie aber gut weg. Man denke nur daran, was Smartphones heute alles aushalten müssen.

Verbesserte Stabilität ist ein Anspruch, den vor allem B2B-Kunden an Verpackungen haben. Verbraucher hingegen legen immer mehr Wert darauf, ihren ökologischen Fußabdruck möglichst kleinzuhalten. Welchen Nutzen ziehen Unternehmen daraus?

Davon werden vor allem Unternehmen profitieren, die ganzheitlich über Produktion und Verbrauch nachdenken und dem Cradle-to-Cradle-Ansatz folgen. Das bedeutet, dass Verpackungen so konzipiert sind, dass ihr Material „von der Wiege bis zur Wiege“ genutzt wird und ein ganzheitlicher, zyklischer Kreislauf entsteht. Damit steigt auch das Image der Verpackung.

Grafik: Emotionen

Stichwort Nachhaltigkeit: Welches Verpackungsmaterial wird die Branche zukünftig nutzen?

Einer der vielversprechendsten Rohstoffe sind Algen. Es handelt sich um eine günstige, regenerative Ressource, die keine Landmassen beansprucht, in allen Regionen der Welt vorkommt und sowohl als Energieträger wie auch als Rohstoff für Verpackungen genutzt werden kann.

Herr Steinle, wir haben uns über Entwicklungen unterhalten, die auf den Markt zukommen. Für wie innovativ halten Sie die Verpackungsbranche allgemein?

Für sehr innovativ! Die Verpackungsindustrie ist global sowie technologiegetrieben. Damit befindet sie sich in einem harten Wettbewerbsumfeld, was zur Innovation zwingt. Aus diesem Grund ist die Verpackungsindustrie sehr viel innovativer als viele andere Branchen.

Auf welche Branche kommen die größten Veränderungen bezüglich der Verpackung zu?

Die Lebensmittelindustrie wird sehr stark betroffen sein. Der Wunsch der Kunden nach gesunden, ultra-frischen Lebensmitteln, die gleichzeitig extrem convenient und ästhetisch verpackt sein sollen, erfordert neue Konzepte.

Gibt es aktuelle Entwicklungen, die die Verpackungsbranche auch in Zukunft beschäftigen werden?

Es sind vor allem die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, die an Bedeutung zunehmen werden. Wenn lernende Maschinen Nachfragezyklen selbstständig prognostizieren können, wird dies zu enormen Effizienzvorteilen führen.

Bei der Frage nach zukünftigen Trends, lohnt sich auch ein Blick in die Vergangenheit: Welche Trends haben die Verpackungsindustrie in den letzten Jahren am meisten geprägt?

In den vergangenen Jahren hat vor allem der bereits erwähnte Megatrend Neo-Ökologie die Industrie beschäftigt. Die Diskussionen um den Klimawandel und das Bewusstsein begrenzter Ressourcen zwingen zum Umdenken: Wir müssen Konsum und Produktion von steigenden CO2-Emissionen entkoppeln.

Gibt es eine Lehre aus den letzten Jahren, die die nächste Verpackungsgeneration beeinflusst?

Menschen sagen, die Umwelt sei ihnen wichtig. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie für entsprechende Produkte mehr Geld ausgeben oder auf Komfort verzichten wollen.

Zu guter Letzt würden wir gerne wissen: Was ist das Ziel, das sich Verpackungsindustrie und Unternehmen bis 2025 setzen sollten?

Das Ziel sollte „Zero Waste“ lauten. Also kein Müll mehr. Alles geht in einem zyklischen Kreislauf auf.

Herzlichen Dank Herr Steinle, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben!

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