Der Trend in Deutschland geht zu frischen Lebensmitteln aus biologischer Produktion. © jackfrog / fotolia.com

Der Trend in Deutschland geht zu frischen Lebensmitteln aus biologischer Produktion. © jackfrog / fotolia.com

2016: Neue Regeln für Lebensmittelverpackungen

USA und Europäische Union überarbeiten Nährwertangaben

Bislang ist es noch eine freiwillige Maßnahme. Aber bis Ende 2016 müssen die Nährwerte von Lebensmittelprodukten europaweit verpflichtend auf der Verpackung angegeben werden – einzige Ausnahme: alkoholische Getränke. Auch in den USA gelten bald striktere Regeln. Das in den frühen 1990er-Jahren eingeführte Gesetz wurde nun überarbeitet.

Unterschiede erschweren Export

Grafische Darstellungen sollen Verbrauchern bei gesundem Essverhalten unterstützen. © Neyro / fotolia.com

Grafische Darstellungen sollen Verbrauchern bei gesundem Essverhalten unterstützen. © Neyro / fotolia.com

Noch bis Dezember 2016 haben Lebensmittel- und Verpackungshersteller Zeit, sich auf die neuen Reglements der Europäischen Union einzustellen. Ab dann müssen Allergene, Energiegehalt sowie sechs obligatorische Nährstoffe gut sichtbar in verständlicher Sprache auf der Verpackungsrückseite mit einer Mindestschriftgröße von 0,9 Millimetern abgedruckt sein. Speziell Großbritanniens Regierung hofft, mit der Angabe von Kalorien und Zuckerwerten dem steigenden Anteil übergewichtiger Personen in der Bevölkerung entgegenzuwirken.

Um eine erweiterte Kennzeichnungspflicht geht es aktuell auch in den Vereinigten Staaten. Dort hat die ‚Food & Drug Administration’ (FDA) ebenfalls eine Erweiterung bisheriger Kennzeichnungsvorgaben erlassen. Mit den Regelungen soll eine bessere Verständlichkeit der Begrifflichkeiten für den Laien geschaffen und Angaben zur Portionsempfehlung und Packungsgröße angepasst werden, um ungesunder Essweise vorzubeugen. Zudem soll ein besser lesbares Design den Verbraucherschutz erhöhen.

Von Fachleuten häufig kritisiert wird das Fehlen internationaler Standards. Aspekte wie Name, Menge und Hersteller als auch ein Großteil der Inhaltsstoffe gleichen sich auf beiden Seiten des Atlantiks, Angaben werden allerdings häufig unterschiedlich vorgeschrieben. Ein Faktor, der grenzüberschreitenden Handel erschwert. Doch lesen Konsumenten eigentlich die Produktinformationen auf Verpackungen?

EU

USA

Mengenangabe

Pro 100 g

Servings per Container

Benennungen

Salz

Sodium

Olivenöl

Vegetable Oil

Identifikation

E-Nummer (Zahlencode)

Produktname

Tab. 1: Uneinheitliche Standards bei Lebensmittelangaben auf Verpackungen erschweren den Handel zwischen der EU und den USA (eigene Darstellung, Stand: Januar 2016)

Worauf achten Konsumenten

Noch sind Angaben zu Nährwerten auf Verpackungen freiwillig – mit dem 1.12.2016 wird sich dies EU-weit ändern. © alexskopje

Noch sind Angaben zu Nährwerten auf Verpackungen freiwillig – mit dem 1.12.2016 wird sich dies EU-weit ändern. © alexskopje

Zahlreiche Befragungen und Untersuchungen unabhängiger Institute weltweit zeigen, dass Verbraucher die Produktinformationen auf Verpackungen nur hinreichend betrachten. Trends zu organisch und biologisch angebauten Lebensmitteln haben bisher nachweislich nicht dazu geführt, dass Konsumenten vorwiegend aus gesundheitlicher Motivation heraus Nahrungsmittel kaufen. Und dies liegt nicht an einem mangelnden Verständnis der Produktinformationen.

Es hat sich gezeigt, dass:

  • Konsumenten in der EU Nährwertangaben auf Verpackungen nur durchschnittlich 25 bis 100 Millisekunden lang betrachten,
  • Verbraucher in Kanada, den USA und Südafrika Nährwerttabellen zu 60 Prozent für wichtig halten,
  • 80 Prozent aller Nordamerikaner Fett-, Zucker- und Kalorienangaben zwar überprüfen, diese aber nicht als kaufentscheidend betrachten, sondern Produkte aus Gründen wie Gewohnheit und Familie erwerben,
  • bei den Deutschen das Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem ersten Platz bei der Betrachtung von Produktinformationen steht; danach folgen Zutatenliste und Hersteller,
  • 30 Prozent aller Kunden auf die Mengenangabe schauen,
  • 90 Prozent preisorientiert kaufen, Verheiratete vermehrt auf Kalorienangaben achten und
  • Frauen häufiger Produktangaben lesen als Männer.

Verpackungsdesign spielt bedeutende Rolle

Die Kaufentscheidung wird von vielen Konsumenten zum Großteil noch immer nach Geschmack und Gewohnheit getroffen. © industrieblick / fotolia.com

Die Kaufentscheidung wird von vielen Konsumenten zum Großteil noch immer nach Geschmack und Gewohnheit getroffen. © industrieblick / fotolia.com

Da Produktangaben häufiger gelesen werden, wenn sie auf Anhieb ins Auge fallen, bringt die FDA in ihrer Novelle auch neue Designvorgaben für die entsprechenden Labels ein. Dass auch sonst die Kaufentscheidung nicht allein durch Zutaten, Preis und Geschmack gefällt wird, zeigt ein psychologisches Experiment: 140 Probanden durften zwischen einem kalorienarmen und kalorienreichen Muffin wählen, zugleich war auf der Verpackung entweder Balletttänzerin oder Fußballspieler abgebildet. Die Kombination kalorienarm und Balletttänzerin zielte in dem Versuch auf die weiblichen Testpersonen ab und umgekehrt kalorienreich mit Fußballer auf die männlichen. In dem Experiment wurden Aufdrucke und Muffins jeweils in allen Varianten kombiniert, um herauszufinden, wie sich die genderspezifischen Verpackungsmerkmale in Kombination mit den reichhaltigen bzw. leichteren Muffins auswirken.
Das Ergebnis: Traf kalorienarm auf Balletttänzerin, schmeckte es den Frauen besser. Die fettreichere Variante mundete im Zusammenhang mit dem Fußballspieler den Herren am meisten. Insgesamt war das kalorienreiche Muffin allerdings geschlechtsunabhängig sehr viel beliebter – und ein Großteil der Teilnehmer zeigte sich bereit, dafür auch mehr zu zahlen.
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